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Anweisungen für das Straf- und Bußgeldverfahren (Steuer) - AStBV (St) 2022 -

Vom 14. März 2022 Oberste Finanzbehörden der Länder S 0720 (BStBl. I S. 251) Inhaltsgleich: FM Nordrhein-Westfalen 14.3.2022 S 0720-1-V A 1; FM Bayern 14.3.2022 37-S 0720-1/10; FM Niedersachsen 14.3.2022 33-S 0720/001-0001; FSen Berlin 14.3.2022 S 0720-2/2021; FSen Bremen 14.3.2022 S 0720 -1/2020-5/2021; FBeh Hamburg 14.3.2022 S 0720-2021/004-51; FM Hessen 14.3.2022 S 0700 A-001-II 61; FM Mecklenburg-Vorpommern 14.3.2022 S 0720-00000-2009/004-010; FM Rheinland-Pfalz 14.3.2022 S 0720#2018/0002-0401 447; FM Saarland 14.3.2022 S 0720-1#010; FM Sachsen 14.3.2022 33-S 0720/27/6-2022/7312; FM Sachsen-Anhalt 14.3.2022 43-S 0700-227; FM Schleswig-Holstein 14.3.2022 S 0720-041-545/2007-6304/2022; FM Thüringen 14.3.2022 1040-25-S 0720/1-9; FM Brandenburg 14.3.2022 35-S 0720/15#01#002; FM Baden-Württemberg 14.3.2022 FM3-S 0720-2/33 Diese Erlasse ergehen im Einvernehmen mit dem Bundesministerium der Finanzen und treten mit Wirkung vom 1. Mai 2022 an die Stelle der Erlasse der obersten Finanzbehörden der Länder vom 1. Dezember 2019 (BStBl. I S. BSTBL Jahr 2019 I Seite 1142) zur Fussnote [1]. Einführung Teil 1 Anwendungsbereich, gemeinsame Verfahrensgrundsätze Abschnitt 1: Anwendungsbereich und anzuwendendes Recht Nr. 1 Abschnitt 2: Gemeinsame Verfahrensgrundsätze Nr. 2 Rechtliches Gehör Nr. 3 Verhältnismäßigkeit Nr. 4 Faires Verfahren Nr. 5 Wahrheitsfindung Nr. 6 Beschleunigung des Verfahrens Nr. 7 Geltung für das Bußgeldverfahren Teil 2 Behandlung der Eingänge Nr. 8 Beschleunigte Bearbeitung Nr. 9 Anzeigen Nr. 10 Behandlung der Eingänge Nr. 11 Behandlung der Selbstanzeigen Nr. 12 Vorfeldermittlungen Nr. 13 Vorermittlungen Teil 3 Strafverfahren Abschnitt 1: Allgemeine Grundsätze Nr. 14 Legalitätsprinzip Nr. 15 Ausnahmen vom Verfolgungszwang Nr. 16 Verhältnis des Strafverfahrens zum Besteuerungsverfahren Abschnitt 2: Abgrenzung der Zuständigkeit zwischen Staatsanwaltschaft und Finanzamt Nr. 17 Selbständiges Ermittlungsverfahren Nr. 18 Steuerstraftaten Nr. 19 Gleichgestellte Straftaten Nr. 20 Zuständigkeit nach Erlass eines Haft- oder Unterbringungsbefehls Nr. 21 Andere Straftaten Nr. 22 Abgabe der Strafsache an die Staatsanwaltschaften Abschnitt 3: Zuständiges Finanzamt Nr. 23 Sachliche Zuständigkeit Nr. 24 Örtliche Zuständigkeit Nr. 25 Mehrfache Zuständigkeit Abschnitt 4: Einleitung des Strafverfahrens Nr. 26 Verdacht; Legalitätsprinzip Nr. 27 Einleitungsmaßnahmen Nr. 28 Mitteilung der Einleitung an Beschuldigte Nr. 29 Belehrung Nr. 30 Vermerk Nr. 31 Mitteilung der Einleitung an Stellen innerhalb der Finanzämter Abschnitt 5: Verteidigung Nr. 32 Wahl und Bestellung eines Verteidigers Nr. 33 Bevollmächtigung des Verteidigers, Zustellung an den Verteidiger Nr. 34 Stellung des Verteidigers in Ermittlungsverfahren der BuStra und der Steufa Nr. 35 Akteneinsicht Nr. 36 Ausschluss eines Verteidigers Abschnitt 6: Allgemeine Ermittlungsgrundsätze Nr. 37 Ziel und Umfang der Ermittlungen Nr. 38 Verbinden und Abtrennen von Verfahren Nr. 39 Absehen von der Verfolgung und Beschränkung der Strafverfolgung Nr. 40 Beweissicherung Nr. 41 Ermittlung von Umständen, die für die Bemessung der Strafe und für die Nebenfolgen von Bedeutung sind Nr. 42 Unterstützung durch andere Behörden und Stellen Nr. 43 Antrag auf Vornahme gerichtlicher Untersuchungshandlungen Nr. 44 Ausweispflicht Abschnitt 7: Vernehmung Nr. 45 Ladung Nr. 46 Rechtsstellung des Beschuldigten Nr. 47 Rechtsstellung des Zeugen Nr. 48 Besonderheiten für Angehörige des öffentlichen Dienstes Nr. 49 Durchführung der Vernehmung Nr. 50 Anfertigung von Notizen Nr. 51 Vernehmungsprotokoll Nr. 52 Schriftliche Aussagen Nr. 53 Nichterscheinen des Beschuldigten Nr. 54 Nichterscheinen des Zeugen Nr. 55 Entschädigung Abschnitt 8: Durchsuchung und Beschlagnahme Nr. 56 Zulässigkeit der Durchsuchung Nr. 57 Zulässigkeit der Beschlagnahme Nr. 58 Beschlagnahme bei Angehörigen der rechts- und steuerberatenden Berufe Nr. 59 Beschlagnahme der Patientenkartei eines Arztes Nr. 60 Anordnung der Durchsuchung/Beschlagnahme Nr. 61 Postbeschlagnahme und Auskunftsverlangen Nr. 62 Zeit der Durchsuchung Nr. 63 Ablauf der Durchsuchung Nr. 64 Körperliche Durchsuchung Nr. 65 Einsichtnahme in Räume und Behältnisse mit Einverständnis des Betroffenen Nr. 66 Durchsuchung von Geschäftsräumen im Verfahren gegen geschäftsführende Gesellschafter Nr. 67 Durchsuchung von Wohnungen und anderen Räumen Nr. 68 Durchsuchung von Sachen Nr. 69 Durchsicht, Nachweis und Rückgabe der Beweismittel Abschnitt 9: Sicherung des Steueranspruchs Nr. 70 Maßnahmen zur Sicherung des Steueranspruchs Nr. 71 Besonderheiten beim dinglichen Arrest nach der AO Nr. 72 Besonderheiten beim Vermögensarrest nach der StPO Abschnitt 10: Weitere strafprozessuale Maßnahmen Nr. 73 Zulässigkeit und Durchführung der vorläufigen Festnahme Nr. 74 Zulässigkeit und Durchführung der Telekommunikationsüberwachung Abschnitt 11: Strafzumessungskriterien Nr. 75 Allgemeines zur Strafzumessung Nr. 76 Bedeutung des verkürzten Steuerbetrages für die strafrechtliche Ahndung und für die Strafzumessung Nr. 77 Besondere Strafzumessungsgründe Nr. 78 Kompensation rechtsstaatswidriger Verzögerung eines Strafverfahrens Abschnitt 12: Abschließende Entscheidung im Verfahren der Finanzbehörde Nr. 79 Überblick Nr. 80 Allgemeines zur Einstellung des Verfahrens Nr. 81 Einstellung nach § STPO § 170 Abs. STPO § 170 Absatz 2 StPO Nr. 82 Einstellung und Absehen von der Strafverfolgung nach § STPO § 153 Abs. STPO § 153 Absatz 1 StPO, § AO § 398 AO und § AO § 398a AO Nr. 83 Einstellung nach § STPO § 153a StPO Nr. 84 Voraussetzungen für den Antrag auf Erlass eines Strafbefehls Nr. 85 Bemessung der Strafen Nr. 86 Höhe des Tagessatzes, Ermittlung des Nettoeinkommens Nr. 87 Antragstellung Nr. 88 Rechtsmittel Nr. 89 Vorlage an die Staatsanwaltschaft Nr. 90 Antrag auf Anordnung von Nebenfolgen Abschnitt 13: Stellung der Finanzbehörde im Verfahren der Staatsanwaltschaft Nr. 91 Rechte und Pflichten im Ermittlungsverfahren Nr. 92 Anwesenheitsrecht Nr. 93 Unterstützung der Staatsanwaltschaft bei der Überwachung von Auflagen Abschnitt 14: Stellung der Finanzbehörde im gerichtlichen Verfahren Nr. 94 Teilnahme an der Hauptverhandlung Nr. 95 Rechtsmittel Nr. 96 Unterstützung des Gerichts bei der Überwachung von Auflagen Abschnitt 15: Behandlung von Einwendungen Nr. 97 Gegenvorstellungen, Dienst- und Sachaufsichtsbeschwerden Nr. 98 Rechtsbehelfe Nr. 99 Wirkung von Einwendungen Teil 4 Bußgeldverfahren Abschnitt 1: Anzuwendende Vorschriften Nr. 100 Gesetzliche Bestimmungen Nr. 101 Anwendung der Regelungen des Dritten Teils Nr. 102 Abweichungen vom Strafverfahren Nr. 103 Ermittlungsbefugnisse Nr. 104 Opportunitätsprinzip Abschnitt 2: Ordnungswidrigkeiten Nr. 105 Steuerordnungswidrigkeiten Nr. 106 Gleichgestellte Ordnungswidrigkeiten Nr. 107 Ordnungswidrigkeiten nach anderen Gesetzen Nr. 108 Als Ordnungswidrigkeiten zu ahndende Steuerstraftaten Abschnitt 3: Zuständigkeit Nr. 109 Zuständigkeit bei Ordnungswidrigkeiten Nr. 110 Zuständigkeit bei Zusammentreffen oder Zusammenhang der Ordnungswidrigkeit mit einer Straftat Nr. 111 Zuständigkeit bei Zusammentreffen oder Zusammenhang mit einer anderen Ordnungswidrigkeit Nr. 112 Zuständigkeit für die als Ordnungswidrigkeiten zu verfolgenden und zu ahndenden Steuerstraftaten Abschnitt 4: Abschließende Entscheidung der Finanzbehörde Nr. 113 Abschließende Entscheidung Nr. 114 Bemessung der Geldbuße Nr. 115 Besonderheiten bei Verfahren gegen Angehörige der rechts- und steuerberatenden Berufe Nr. 116 Bekanntgabe des Bußgeldbescheids Abschnitt 5: Rechtsbehelfe Nr. 117 Behandlung eines Antrages auf gerichtliche Entscheidung Nr. 118 Einspruch gegen Bußgeldbescheid Abschnitt 6: Kosten, Erhebung und Vollstreckung Nr. 119 Kosten des Verfahrens Nr. 120 Zuständigkeit für die Erhebung Nr. 121 Vollstreckung Teil 5: Steuerfahndung Nr. 122 Aufgaben Nr. 123 Rechte und Pflichten Nr. 124 Zuständigkeit Nr. 125 Zusammenarbeit mit der Außenprüfung Nr. 126 Haftungsinanspruchnahme durch die Finanzämter Nr. 127 Schlussbericht der Steufa Teil 6: Ergänzende gemeinsame Regelungen für das Straf- und Bußgeldverfahren Abschnitt 1: Steuergeheimnis Nr. 128 Schutz des Anzeigenerstatters Nr. 129 Offenbarung gegenüber Dritten Nr. 129a Datenschutz Abschnitt 2: Unterrichtungspflicht gegenüber BuStra oder Steufa Nr. 130 Allgemeines Nr. 131 Außenprüfung Nr. 132 Selbstanzeigen Nr. 133 Unaufschiebbare Anordnungen Abschnitt 3: Mitteilungen im Straf- und Bußgeldverfahren Nr. 134 Mitteilungen an Behörden und Stellen der Finanzverwaltung Nr. 135 Unterrichtung der vorgesetzten Behörde Nr. 136 Mitteilungen an andere Behörden und Stellen Nr. 137 Mitteilung in sonstigen Fällen Abschnitt 4: Zusammenarbeit mit anderen Behörden Nr. 138 Bundeszentralamt für Steuern Nr. 139 Zollverwaltung Nr. 140 Nationale Staatsanwaltschaft Nr. 140a Europäische Staatsanwaltschaft Nr. 141 Landeskriminalamt Nr. 142 Polizei und andere Behörden Nr. 143 Gewerbezentralregister Abschnitt 5: Auskunfts- und Vorlageersuchen Nr. 144 Allgemeines Nr. 145 Auskunfts- und Vorlageersuchen an Kreditinstitute im Besteuerungsverfahren Nr. 146 Auskunfts- und Vorlageersuchen an Kreditinstitute im Straf- und Bußgeldverfahren Nr. 147 Erstattung von Kosten Nr. 148 Auskunftsersuchen wegen Chiffreanzeigen Abschnitt 6: Verwertungsverbote Nr. 149 Fälle, die zu einem Verwertungsverbot führen Nr. 150 Fälle, die nicht zu einem Verwertungsverbot führen Abschnitt 7: Besonderheiten im Hinblick auf die Person des Beschuldigten/Betroffenen Nr. 151 Mitglieder des Europäischen Parlaments, des Deutschen Bundestages und der gesetzgebenden Körperschaften und der Länder Nr. 152 Diplomaten und andere bevorrechtigte Personen Nr. 153 Streitkräfte anderer Staaten Nr. 154 Jugendliche, Heranwachsende, vermindert Schuldfähige (1) Die nachfolgenden Anweisungen sollen der einheitlichen Handhabung der Gesetze dienen und die reibungslose Zusammenarbeit der zur Verfolgung von Steuerstraftaten und Steuerordnungswidrigkeiten berufenen Stellen der Finanzbehörden untereinander, mit anderen Stellen der Finanzbehörden sowie mit den Gerichten und Staatsanwaltschaften gewährleisten. (2) Die Anweisungen enthalten zur Erleichterung der Amtsgeschäfte eine Zusammenfassung von hierfür maßgeblichen Grundsätzen sowie Hinweise für deren praktische Anwendung. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird zum Teil der Gesetzeswortlaut wiederholt, im Übrigen wird nur auf die einschlägigen Gesetze verwiesen. Bei streitigen Rechtsfragen ist im Interesse einer einheitlichen Verfahrensweise die Auffassung der Verwaltung wiedergegeben. (3) Die Anweisungen können wegen der Vielfalt der Lebensvorgänge, auf die sie sich beziehen, nur Anleitungen für den Regelfall geben. Es ist daher im Einzelfall zu prüfen, welche Maßnahmen im Rahmen der anzuwendenden Gesetze und der Rechtsprechung der Gerichte geboten sind. (4) Bei Personenbezeichnungen wird auf eine geschlechter-bezogene Differenzierung verzichtet, da in diesen Anweisungen unwichtig ist, welches Geschlecht die so bezeichnete Person hat. Alle Personenbezeichnungen werden generisch verwendet, sie bezeichnen also alle Personen unabhängig von ihrem natürlichen Geschlecht. (1) Die Anweisungen sind in allen Straf- und Bußgeldverfahren anzuwenden, in denen die Finanzbehörde ermittelt oder zur Mitwirkung berufen ist. Sie sind von allen Bediensteten der Steuerfahndung (Steufa) und der Bußgeld- und Strafsachenstellen (BuStra) zu beachten, ferner von Bediensteten anderer Stellen der Finanzbehörden, soweit es sich um die Zusammenarbeit mit jenen Stellen handelt oder wenn sie Maßnahmen im Straf- oder Bußgeldverfahren treffen. zur Fussnote [2] (2) Für Steuerstraftaten gelten die allgemeinen Gesetze über das Strafrecht, soweit die Strafvorschriften der Steuergesetze nichts anderes bestimmen. Für Steuerordnungswidrigkeiten gelten die Vorschriften des Ersten Teils des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten, soweit die Bußgeldvorschriften der Steuergesetze nichts anderes bestimmen. Für das Strafverfahren wegen Steuerstraftaten gelten, soweit die §§ AO § 386 ff. AO nichts anderes bestimmen, die allgemeinen Gesetze über das Strafverfahren, namentlich die Strafprozessordnung, das Gerichtsverfassungsgesetz, das Gerichtskostengesetz und das Jugendgerichtsgesetz (§ AO § 385 AO). Die Menschenrechtskonvention und die Charta der Grundrechte der Europäischen Union sind zu beachten. (3) Die Rechtsgrundlagen der zwischenstaatlichen Amts- und Rechtshilfe in Steuer- und Steuerstrafsachen ergeben sich aus den §§ AO § 117, AO § 117a, AO § 117b AO, dem Gesetz über internationale Rechtshilfe in Strafsachen sowie multi- und bilateralen Verträgen. Wegen der zwischenstaatlichen Amtshilfe durch Informationsaustausch in Steuersachen wird auf das BMF-Schreiben vom BMF 23. November 2015, BStBl. I S. BSTBL Jahr 2015 I Seite 928 zur Fussnote [3], und wegen der zwischenstaatlichen Rechtshilfe in Steuerstrafsachen auf das BMF-Schreiben vom BMF 16. November 2006, BStBl. I S. BSTBL Jahr 2006 I Seite 698 zur Fussnote [4], hingewiesen. Anspruch auf rechtliches Gehör hat jeder an einem Ermittlungsverfahren Beteiligte. Insbesondere muss dem Beschuldigten Gelegenheit gegeben werden, tatsächliche und rechtliche Ausführungen zu machen und Beweisanträge zu stellen. Bei Maßnahmen, die nur den Gang des Verfahrens betreffen, bedarf es keiner Anhörung, z.B. vor der Bestimmung eines Termins. Bei anderen Maßnahmen kann die vorherige Anhörung unterbleiben, wenn andernfalls der Zweck der Anordnung gefährdet würde, so namentlich bei Beschlagnahmen und Durchsuchungen (§ STPO § 33 Abs. STPO § 33 Absatz 4 StPO); dem von der Maßnahme Betroffenen muss jedoch dann nachträglich Gelegenheit zur Äußerung gegeben werden, wenn und soweit nach der Vollziehung der Anordnung noch ein Nachteil für ihn fortbesteht (BVerfG-Beschluss vom 9. März 1965 BVERFG Aktenzeichen 2BVR17663 2 BvR 176/63, BVerfGE 18, BVERFGE Jahr 18 Seite 399 [BVERFGE Jahr 18 404]. Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verlangt, dass die jeweilige Maßnahme unter Würdigung aller persönlichen und sachlichen Umstände des Einzelfalles zur Erreichung des angestrebten Zwecks geeignet und erforderlich ist und dass der mit ihr verbundene Eingriff nicht außer Verhältnis zur Bedeutung der Sache und zur Stärke des Tatverdachts steht (Verbot des Übermaßes). Dies gilt vor allem bei Maßnahmen, von denen Unverdächtige betroffen werden (z.B. Durchsuchung von Gebäuden). (1) Das Recht auf faires Verfahren gehört zu den wesentlichen Grundsätzen des rechtsstaatlichen Strafverfahrens. Es wird verwirklicht u.a. durch die Gewährung des rechtlichen Gehörs (vgl. Nr. 2), das Recht auf Verteidigung (vgl. Nrn. 32 ff.), das Recht des Beschuldigten, zur Sache zu schweigen (§ 136 Abs. 1 Satz 2; § STPO § 243 Abs. STPO § 243 Absatz 5 Satz 1 StPO), die Einräumung von Rechtsbehelfen und die Rechtsbehelfsbelehrung. Der Anspruch auf faires Verfahren verbietet es, Druck oder sonstige unerlaubte Mittel in Richtung eines Geständnisses oder sonstiger Einlassung auszuüben (vgl. Nr. 16 Abs. 2 bis 4 und 49 Abs. 3). Verweigert der Beschuldigte jede Aussage zur Sache, so dürfen hieraus für ihn bei der Beweiswürdigung keine nachteiligen Folgerungen gezogen werden. Dies gilt auch, wenn ihm mehrere Taten (§ STPO § 264 StPO) vorgeworfen werden und er nur zu einer oder mehreren dieser Taten die Aussage verweigert. Anders kann es sein, wenn er nur zu einzelnen Punkten einer Tat (§ STPO § 264 StPO) schweigt. (2) Bis zur rechtskräftigen Verurteilung wird die Unschuld vermutet (Art. 6 Abs. 2 MRK). Die Unschuldsvermutung verbietet voreingenommene Behandlung des Beschuldigten im Verfahren. Es ist daher alles zu vermeiden, was zu einer nicht durch den Zweck des Ermittlungsverfahrens bedingten Bloßstellung des Beschuldigten führen könnte. Dies gilt insbesondere im Schriftverkehr mit anderen Behörden und Personen. Sollte es nicht entbehrlich sein, den Beschuldigten anzugeben oder die ihm zur Last gelegte Tat zu bezeichnen, ist deutlich zu machen, dass gegen den Beschuldigten lediglich der Verdacht einer Straftat besteht. Die Finanzbehörde hat


Parallelfundstellen:

Weitere Fundstellen: BStBl. 2022 I S. 251 Oberste Finanzbehörden der Länder S 0720

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