Normabkürzung Normtitel Verkündungsstand, letzte Änderung Normgeber
[LStN 9.2.2022 S 2000-90-St 236] [Gesetzes- u. Rechtsänderungen f. VZ 2022] BeckVerw 567737 Niedersachsen

Verfügung betr. ertragsteuerliche, umsatzsteuerliche und AO-rechtliche Informationen zum Veranlagungszeitraum 2022

Vom 9. Februar 2022

Landesamt für Steuern Niedersachsen S 2000-90-St 236

Anlage(n): Zusammenstellung

Im Laufe der letzten Kalenderjahre sind die nachfolgenden Gesetze verabschiedet und BMF-Schreiben erlassen worden, die für den Veranlagungszeitraum 2022 und ggf. bereits abgelaufene Veranlagungszeiträume von Bedeutung sind:

  • Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften vom 12. Dezember 2019 (BGBl. I S. BGBL Jahr 2019 I Seite 2451)

  • Jahressteuergesetz 2020 vom 21. Dezember 2020 (BGBl. I S. BGBL Jahr 2020 I Seite 3096)

  • Drittes Corona-Steuerhilfegesetz vom 10. März 2021 (BGBl. I S. BGBL Jahr 2021 I Seite 330)

  • Gesetz zur Modernisierung der Entlastung von Abzugsteuern und der Bescheinigung von Kapitalertragsteuer vom 2. Juni 2021 (BGBl. I S. BGBL Jahr 2021 I Seite 1259)

  • Fondsstandortgesetz vom 3. Juni 2021 (BGBl. I S. BGBL Jahr 2021 I Seite 1498)

  • ATAD-Umsetzungsgesetz vom 25. Juni 2021 (BGBl. I S. BGBL Jahr 2021 I Seite 2035)

  • Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts vom 25. Juni 2021 (BGBl. I S. BGBL Jahr 2021 I Seite 2050)

  • Gesetz zur Abwehr von Steuervermeidung und unfairem Steuerwettbewerb vom 25. Juni 2021 (BGBl. I S. BGBL Jahr 2021 I Seite 2056)

  • Gesetz zur erleichterten Umsetzung der Reform der Grundsteuer und Änderung weiterer steuerrechtlicher Vorschriften vom 16. Juli 2021 (BGBl. I S. BGBL Jahr 2021 I Seite 2931)

  • Gesetz der wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen, wegen ihrer homosexuellen Orientierung oder wegen ihrer geschlechtlichen Identität dienstrechtlich benachteiligte Soldaten und Soldatinnen vom 16. Juli 2021 (BGBl. I S. BGBL Jahr 2021 I Seite 2993)

  • Gesetz zur Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben zum Umsatzsteuerrecht vom 21. Dezember 2021 (BGBl. I S. BGBL Jahr 2021 I Seite 5250)

  • BMF-Schreiben vom BMF 24. Juni 2021, BStBl. I S. BSTBL Jahr 2021 I Seite 857 zur Fussnote [1]

  • BMF-Schreiben vom BMF 29. Oktober 2021, BStBl. I S. BSTBL Jahr 2021 I Seite 2202 zur Fussnote [2]

  • BMF-Schreiben vom BMF 3. Dezember 2021, BStBl. I S. BSTBL Jahr 2021 I Seite 2488 zur Fussnote [3]

  • BMF-Schreiben vom BMF 14. Dezember 2021, BStBl. I S. BSTBL Jahr 2021 I Seite 2500 zur Fussnote [4]

  • BMF-Schreiben vom BMF 12. Januar 2022, BStBl. I S. BSTBL Jahr 2022 I Seite 82 zur Fussnote [5]

Die als Anlage beigefügte Zusammenstellung enthält die wichtigsten steuerlich relevanten Informationen, die für den Veranlagungszeitraum 2022 von Bedeutung sind. Soweit die Informationen auch bereits für alle noch offenen Veranlagungen früherer Veranlagungszeiträume von Bedeutung sind, wurde dies entsprechend vermerkt. Ich bitte Sie, auf geeignete Weise sicherzustellen, dass die Beschäftigten der betroffenen Arbeitsbereiche von in dieser Verfügung enthaltenen Neuerungen Kenntnis erlangen. Auf die Darstellung lediglich redaktioneller Änderungen wurde verzichtet.

Die Gesamtzusammenstellung wird in juris unter ND Dokumente→Steuer→Aktuelle Steuerrechtsänderungen eingestellt. Zusätzlich erfolgt die Einstellung fachbezogen in juris unter ND Dokumente→Steuer→AO/ESt und LuF/KSt/usw. und dort unter Infos zu Gesetzen und Gesetzentwürfen.

Anlage

Inhaltsverzeichnis

  • A. Außensteuergesetz

    • 1. §§ ASTG § 1 und ASTG § 1a AStG – Verrechnungspreise

    • 2. § ASTG § 6 AStG – Besteuerung des Vermögenszuwachses/Wegzugsbesteuerung

  • B. Einkommensteuer

    • 1. § ESTG § 3 Nr. 11a EStG – Vom Arbeitgeber auf Grund der Corona-Krise an Arbeitnehmer gewährte Beihilfen und Unterstützungen in Form von Zuschüssen und Sachbezügen

    • 2. § ESTG § 3 Nr. 23 Buchst. f EStG – Entschädigungsleistungen an dienstrechtlich benachteiligte Soldatinnen und Soldaten

    • 3. § ESTG § 6 Abs. ESTG § 6 Absatz 1 Nr. 4 Satz 2 und 3 EStG – Privatnutzung betrieblicher extern aufladbarer Hybridelektrofahrzeuge

    • 4. § ESTG § 8 EStG – Einnahmen (Abgrenzung Barlohn <=> Sachlohn)

    • 5. § ESTG § 8 Abs. ESTG § 8 Absatz 2 Satz 11 EStG – (monatliche) Freigrenze für Sachbezüge

    • 6. § ESTG § 10d EStG Verlustabzug

    • 7. § ESTG § 14 Abs. ESTG § 14 Absatz 2 und ESTG § 14 Absatz 3 EStG – Betriebsfortführungsfiktion

    • 8. § ESTG § 52 Abs. ESTG § 52 Absatz 22c EStG – Betriebsfortführungsfiktion; zeitl. Anwendungsbereich

    • 9. § ESTG § 17 EStG – Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften

    • 10. § ESTG § 24b EStG – Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

    • 11. § ESTG § 33a Abs. ESTG § 33A Absatz 1 Satz 1 EStG – Unterstützung bedürftiger Personen

    • 12. § ESTG § 49 Abs. ESTG § 49 Absatz 1 Nr. 11 EStG (neu) – Hybride Gestaltungen

    • 13. § ESTG § 111 EStG – Vorläufiger Verlustabzug für 2020 und 2021

    • 14. BMF-Schreiben vom BMF 29. Oktober 2021, BStBl. I S. BSTBL Jahr 2021 I Seite 2202

  • C. Forschungszulage

    • 1. § FZULG § 5 Abs. FZULG § 5 Absatz 4 FZulG – gesondertes Feststellungsverfahren

  • D. Gewerbesteuer

    • 1. § GEWSTG § 9 Nr. 1 Satz 3 GewStG – unschädliche Nebentätigkeiten

    • 2. § GEWSTG § 29 Abs. GEWSTG § 29 Absatz 1 Nr. 2 GewStG – Zerlegungsmaßstab

  • E. Körperschaftsteuer/Umwandlungssteuer/Gemeinnützigkeit

    • 1. § KSTG § 1a KStG – Option zur Körperschaftsbesteuerung

    • 2. § KSTG § 8 Abs. KSTG § 8 Absatz 1 Satz 4 KStG – Ermittlung des Einkommens

    • 3. § KSTG § 8b Abs. KSTG § 8B Absatz 1 Satz 3 KStG – Hybride Übertragungen

    • 4. § KSTG § 8b Abs. KSTG § 8B Absatz 3 Satz 6 KStG – Währungskursverluste

    • 5. § KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 1 Satz 3 KStG – Wegfall einer Beschränkung des Besteuerungsrechts

    • 6. § KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 1a KStG – Wertansatz im Fall der erstmaligen Verstrickung

    • 7. § KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 2 KStG – Umwandlung von Körperschaften

    • 8. § KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 3 KStG – Wegzug von Körperschaften in Drittstaaten

    • 9. § KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 4 KStG – Zurechnung von Wirtschaftsgütern auf eine Limited

    • 10. § KSTG § 14 Abs. KSTG § 14 Absatz 4 KStG – Einlagelösung

    • 11. § UMWSTG § 1 UmwStG – Globalisierung des Umwandlungssteuerrechts

    • 12. AEAO zu § AEAO § 52, Nr. 7 – IPSC-Schießen

    • 13. AEAO zu § AEAO § 52, Nr. 9 und Nr. 16 – Attac-Entscheidungen

    • 14. AEAO zu § AEAO § 55, Nr. 25 – Mittelfehlverwendung

    • 15. AEAO zu § AEAO § 57, Nr. 8 und 9 – Bezeichnung der Beteiligten einer Kooperation

    • 16. AEAO zu § AEAO § 59, Nr. 3 – Prüfungszeitraum für neu gegründete steuerbegünstigte Körperschaften

    • 17. AEAO zu § AEAO § 63, Nr. 6 – Verhältnismäßigkeit und Bagatellvorbehalt bei Entzug der Gemeinnützigkeit

    • 18. AEAO zu § AEAO § 67 – besondere Behandlungsleistungen eines Arztes

    • 19. AEAO zu § AEAO § 68, Nr. 7 – Inklusionsbetriebe

  • F. Umsatzsteuer

    • 1. § USTG § 4 Nr. 7 Satz 1 Buchst. e) und f) UStG – Steuerbefreiung für Leistungen an die Streitkräfte anderer Mitgliedstaaten

    • 2. § USTG § 4c UStG – Steuervergütung für Leistungsbezüge europäischer Einrichtungen

    • 3. § USTG § 5 Abs. USTG § 5 Absatz 1 Nrn. 8, 9 und 10 UStG – Steuerbefreiungen bei der Einfuhr

    • 4. § USTG § 12 Abs. USTG § 12 Absatz 2 Nr. 15 UStG – Befristete Anwendung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes für Restaurations- und Verpflegungsdienstleistungen

    • 5. § USTG § 24 Abs. USTG § 24 Absatz 1 Satz 1 UStG – Durchschnittssätze für land- und forstwirtschaftliche Betriebe Einführung einer Umsatzgrenze

    • 6. § USTG § 24 Abs. USTG § 24 Absatz 1 Satz 1 Nr. 3 und Satz 3 UStG – Durchschnittssätze für land- und forstwirtschaftliche Betriebe – Anpassung des Durchschnittssatzes

    • 7. § USTG § 25 UStG – Gesamtmargenbildung

    • 8. Verlängerung coronabedingter Billigkeitsmaßnahmen – BMF-Schreiben vom BMF 3. Dezember 2021 und vom 14. Dezember 2021

A. Außensteuergesetz

1. §§ ASTG § 1 und ASTG § 1a AStG – Verrechnungspreise

Durch das AbzStEntModG werden die Vorschriften zu Verrechnungspreisen umfangreich überarbeitet. Ausweislich der Gesetzesbegründung sollen die Regelungen zur Sicherstellung einer gerechten Aufteilung der Besteuerungsrechte bei multinationalen Unternehmen zeitgemäß ausgestaltet werden (§§ ASTG § 1, ASTG § 1a, AStG).

Die Regelung zur Berichtigung von Einkünften (§ ASTG § 1 AStG) wurde neu formuliert und soll dadurch enger an die OECD-Verrechnungspreisleitlinien angelehnt werden. Die vorgesehenen Änderungen betonen ausweislich der Gesetzesbegründung klarstellend die wirtschaftliche Betrachtungsweise und geben allgemeine Regelungen für die Verrechnungspreisbestimmung und -prüfung vor, die sich an der internationalen Praxis orientieren. Die bisherige Methodenhierarchie mit dem Vorrang der Standardmethoden (Preisvergleichsmethode, Wiederverkaufsmethode und Kostenaufschlagsmethode) entfällt. Stattdessen ist die „am besten geeignete“ Methode anzuwenden.

Der Fremdvergleichspreis ist insbesondere durch Feststellen der tatsächlichen Verhältnisse, die dem jeweiligen zu untersuchenden Geschäftsvorfall zugrunde liegen und die preisrelevant sind, eine Funktions- und Risikoanalyse sowie eine Vergleichbarkeitsanalyse zu bestimmen. Die wirtschaftliche Betrachtungsweise tritt dabei in den Vordergrund.

Ebenfalls neu sind die gesonderten Regelungen zu Verrechnungspreisen bei der Übertragung und Überlassung von immateriellen Werten (§ ASTG § 1 Abs. ASTG § 1 Absatz 3c AStG). Erstmals wird der Begriff des immateriellen Werts in Anlehnung an die OECD-Verrechnungspreisleitlinien gesetzlich definiert (§ ASTG § 1 Abs. ASTG § 1 Absatz 3c Satz 2 AStG). Der Inhaber oder der Eigentümer des immateriellen Werts hat nahestehende Personen angemessen zu vergüten, wenn und soweit sie in Bezug auf den immateriellen Wert Leistungen erbringen oder Funktionen ausüben (im Zusammenhang mit der Entwicklung oder Erschaffung, der Verbesserung, dem Erhalt, dem Schutz oder jedweder Art der Verwertung des immateriellen Werts; sog. „DEM-PE“-Konzept: Development, Enhancement, Maintenance, Protection und Exploitation).

Die sog. Preisanpassungsklausel bei wesentlichen immateriellen Werten als Gegenstand einer Geschäftsbeziehung (bislang § ASTG § 1 Abs. ASTG § 1 Absatz 3 Satz 11 und 12 AStG) wird in einem neuen § ASTG § 1a AStG gesondert geregelt und erweitert. Unter anderem wird der Zeitraum für etwaige Preisanpassungen von zehn auf sieben Jahre nach Geschäftsabschluss gesenkt.

Anwendung:

Die geänderten Regelungen zum Fremdvergleich nach §§ ASTG § 1, ASTG § 1a AStG sind erstmals für die Einkommen- und Körperschaftsteuer für den Veranlagungszeitraum 2022 anzuwenden (§ ASTG § 21 Abs. ASTG § 21 Absatz 1 Nr. 1 AStG).

Hinweis:

Adressatenkreis: Primär Auslandsfachprüfungen der FÄ für Großbetriebsprüfung

2. § ASTG § 6 AStG – Besteuerung des Vermögenszuwachses/Wegzugsbesteuerung

Durch das Gesetz zur Umsetzung der Anti-Steuervermeidungsrichtlinie vom 25. Juni 2021 (ATAD-Umsetzungsgesetz – ATADUmsG; BGBl. I S. 2035) wurden in § ASTG § 6 AStG einige systematisch grundlegende Änderungen vorgenommen. Insbesondere ist auf die nachstehenden Aspekte der Neufassung des § ASTG § 6 AStG hinzuweisen:

  • § ASTG § 6 AStG n.F. sieht, anders als § ASTG § 6 AStG a.F., einen Gleichklang hinsichtlich der steuerlichen Rechtsfolgen bei Verwirklichung eines Wegzugstatbestandes in einen EU-/EWR-Staat und in einen Drittstaat vor.

  • Die Regelung der sachlichen Wegzugsteuerpflicht ist in der neuen Gesetzesfassung zwar sprachlich reduziert, aber inhaltlich unverändert beibehalten worden. Einer Veräußerung von Anteilen i.S.d. § ESTG § 17 Abs. ESTG § 17 Absatz 1 Satz 1 EStG zum gemeinen Wert stehen daher nach wie vor gleich:

    • die Beendigung der unbeschränkten Steuerpflicht durch Aufgabe des Wohnsitzes oder des gewöhnlichen Aufenthalts (§ ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 1 Satz 1 Nr. 1 AStG),

    • die unentgeltliche Übertragung auf eine nicht unbeschränkt steuerpflichtige Person (§ ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 AStG),

    • der Ausschluss bzw. die Beschränkung des deutschen Besteuerungsrechts (§ ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 1 Satz 1 Nr. 3 AStG).

  • Die zeitlichen Voraussetzungen für eine persönliche Wegzugsteuerpflicht wurden dahingehend verändert, dass durch § ASTG § 6 AStG zukünftig nur noch natürliche Personen erfasst werden, die innerhalb der letzten zwölf Jahre vor dem die Wegzugsteuerpflicht begründenden Ereignis mindestens sieben Jahre unbeschränkt steuerpflichtig i.S.d. § ESTG § 1 Abs. ESTG § 1 Absatz 1 EStG waren (§ ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 2 Satz 1 AStG). Nach alter Rechtslage war demgegenüber Voraussetzung, dass die natürliche Person (in ihrer Lebenszeit) insgesamt mindestens zehn Jahre unbeschränkt steuerpflichtig war.

  • § ASTG § 6 AStG n.F. sieht nunmehr als grundsätzliche Rechtsfolge in allen Fallkonstellationen eine unmittelbare Fälligkeit der durch die Verwirklichung eines der Tatbestände des § ASTG § 6 AStG ausgelösten Steuer vor. Lediglich auf Antrag kann dem Steuerpflichtigen eine auf sieben Jahre angelegte ratenweise Zahlung der durch § ASTG § 6 AStG ausgelösten Steuer und dieses regelmäßig auch nur gegen Sicherheitsleistung gewährt werden (§ ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 4 AStG n.F.).

    Eine auf Antrag des Steuerpflichtigen nach § ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 4 AStG gestundete Steuer wird unmittelbar fällig, wenn der Steuerpflichtige seiner Ratenzahlungsverpflichtung nicht fristgemäß nachkommt, seine Mitteilungspflichten nach § ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 5 AStG nicht erfüllt, Insolvenz anmeldet, die Anteile veräußert bzw. überträgt oder durch die Kapitalgesellschaft, an welcher er die betroffenen Anteile hält, Gewinnausschüttungen bzw. Kapitalrückzahlungen in Höhe eines gemeinen Werts von mehr als 25 % des Beteiligungswerts zum Zeitpunkt des Wegzugs, vorgenommen werden.

  • An einer Privilegierung hinsichtlich der Rechtsfolgen des § ASTG § 6 AStG bei einer nur vorübergehenden Erfüllung der Tatbestandsvoraussetzungen des § ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 1 AStG durch die Steuerpflichtigen wird auch in § ASTG § 6 AStG n.F. weiterhin festgehalten. So entfällt der Steueranspruch nach § ASTG § 6 AStG, wenn der Steuerpflichtige innerhalb von sieben Jahren nach seinem Wegzug wieder unbeschränkt steuerpflichtig wird oder innerhalb dieses Zeitraums die Erfüllung der Tatbestände des § ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 1 AStG in anderer Weise wieder rückgängig gemacht wird. Für eine Privilegierung aufgrund vorübergehender Abwesenheit genügt zukünftig bereits eine hinreichende Rückkehrwahrscheinlichkeit. Gegenüber § ASTG § 6 AStG a.F. wurde der Zeitraum der zeitlichen Befristung der Rückkehrprivilegien auf sieben Jahre mit fünfjähriger Verlängerungsoption angehoben (§ ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 3 Satz 1 und 3 AStG). Zudem ist zu beachten, dass die zeitliche Befristung der Rückkehrprivilegien nach der Gesetzesneufassung nunmehr auch für Wegzüge in EU-/EWR-Staaten gilt, für welche bisher eine zeitlich unbefristete Privilegierung bestand.

    Hinzutretend kann bei einer nur vorübergehenden Erfüllung der Voraussetzungen des § ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 1 AStG n.F., insbesondere bei einer nur vorübergehenden Abwesenheit des Steuerpflichtigen, auf Antrag eine vollständige Stundung des Steueranspruchs nach § ASTG § 6 AStG für den Privilegierungszeitraum und nicht lediglich eine ratenweise Stundung in Anspruch genommen werden (§ ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 4 Satz 7 AStG).

  • Der Steuerpflichtige hat nach § ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 5 AStG n.F. dem zuständigen Finanzamt den Eintritt eines Ereignisses, aufgrund dessen eine gewährte Stundung zu widerrufen ist (§ ASTG § 6 Abs. ASTG § 6 Absatz 4 Satz 5 oder Satz 7 AStG), mitzuteilen sowie jährlich bis zum 31. Juli seine aktuelle Anschrift und eine Bestätigung, dass ihm oder einem Rechtsnachfolger die betroffenen Anteile weiterhin zuzurechnen sind, zu übermitteln.

Anwendung:

Grundsätzlich ab 1. Januar 2022, wobei für zu diesem Zeitpunkt noch laufende Stundungen und Fristen auf Grundlage des § ASTG § 6 AStG a.F. eine Übergangsregelung geschaffen wurde (vgl. § ASTG § 21 Abs. ASTG § 21 Absatz 1 Nr. 1, Abs. ASTG § 21 Absatz 3 AStG).

B. Einkommensteuer

1. § ESTG § 3 Nr. 11a EStG – Vom Arbeitgeber auf Grund der Corona-Krise an Arbeitnehmer gewährte Beihilfen und Unterstützungen in Form von Zuschüssen und Sachbezügen

Die Steuerbefreiung nach § ESTG § 3 Nr. 11a EStG für aufgrund der Corona-Krise an Arbeitnehmer gezahlte Beihilfen und Unterstützungen bis zur Höhe von 1500 Euro war bisher bis zum 30. Juni 2021 befristet. Die Frist wird bis zum 31. März 2022 verlängert.

Anwendung:

1. Juli 2021 bis 31. März 2022

2. § ESTG § 3 Nr. 23 Buchst. f EStG – Entschädigungsleistungen an dienstrechtlich benachteiligte Soldatinnen und Soldaten

Nunmehr sind auch Leistungen nach dem Gesetz der wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen, wegen ihrer homosexuellen Orientierung oder wegen ihrer geschlechtlichen Identität dienstrechtlich benachteiligte Soldatinnen und Soldaten steuerbefreit.

Anwendung:

ab 2022

3. § ESTG § 6 Abs. ESTG § 6 Absatz 1 Nr. 4 Satz 2 und 3 EStG – Privatnutzung betrieblicher extern aufladbarer Hybridelektrofahrzeuge

Für den Ansatz des hälftigen Bruttolistenpreises bei extern aufladbaren Hybridelektrofahrzeugen ist nunmehr eine rein elektrisch zurückgelegte Mindestreichweite von 60 km (statt bisher 40 km) erforderlich. Ungeachtet dessen ist jedoch auch weiterhin der Ansatz des hälftigen Bruttolistenpreises möglich, wenn die Kohlendioxidemission höchstens 50g/km beträgt.

Anwendung:

2022 bis 2024

4. § ESTG § 8 EStG – Einnahmen (Abgrenzung Barlohn <=> Sachlohn)

Mit dem Jahressteuergesetz 2019, BGBl. I S. BGBL Jahr 2019 I Seite 2451, wurde unter anderem die Frage geregelt, unter welchen Voraussetzungen Geldersatzleistungen (Gutscheine und Geldkarten) ab 2020 als Geldleistungen oder Sachbezüge anzusetzen sind. Die Finanzverwaltung hat darauf mit dem BMF-Schreiben vom BMF 13. April 2021, BStBl. I S. BSTBL Jahr 2021 Seite 624 zur Fussnote [6], reagiert und eine Übergangsregelung bis zum 31. Dezember 2021 eingeführt, nach der nach den bisherigen Regelungen weiter verfahren werden kann. Ab dem 1. Januar 2022 gelten ausschließlich die gesetzlichen Abgrenzungskriterien gemäß § ESTG § 8 Abs. ESTG § 8 Absatz 1 Satz 3 EStG: Gutscheine und Geldkarten, die ausschließlich zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen berechtigen, gelten nur (noch) dann als Sachbezug, wenn sie (unter lohn- und einkommensteuerlicher Auslegung) die Kriterien des § ZAG § 2 Abs. ZAG § 2 Absatz 1 Nr. 10 des Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes erfüllen.

Anwendung:

ab 1. Januar 2022

5. § ESTG § 8 Abs. ESTG § 8 Absatz 2 Satz 11 EStG – (monatliche) Freigrenze für Sachbezüge

Die monatliche Freigrenze für Sachbezüge in § ESTG § 8 Abs. ESTG § 8 Absatz 2 Satz 11 EStG wird von 44 Euro auf 50 Euro angehoben.

Anwendung:

ab 1. Januar 2022

6. § ESTG § 10d EStG Verlustabzug

Der steuerliche Verlustrücktrag wird für die Veranlagungszeiträume 2020 und 2021 nochmals erweitert und auf 10 Mio. Euro bzw. 20 Mio. Euro (bei Zusammenveranlagung) angehoben.

Anwendung:

ab dem Veranlagungszeitraum 2020. Ab dem Veranlagungszeitraum 2022 gelten die ursprünglichen Beträge (§ ESTG § 52 Abs. ESTG § 52 Absatz 18b EStG).

7. § ESTG § 14 Abs. ESTG § 14 Absatz 2 und 3 EStG – Betriebsfortführungsfiktion bei Ausübung des Verpächterwahlrechts in Fällen der Betriebsverkleinerung bzw. im Rahmen einer Realteilung

Der Gesetzgeber hat in Reaktion auf die BFH-Rechtsprechung zum sog. Verpächterwahlrecht (zuletzt BFH-Urteile vom 17. Mai 2018 BFH Aktenzeichen VIR6615 VI R 66/15 und BFH Aktenzeichen VI R 73/15; Veröffentlichung beabsichtigt) den § ESTG § 14 EStG um die Abs. 2 und 3 erweitert (JStG 2020; Art. 1 des Gesetzes vom 21. Dezember 2020, BGBl. I S. BGBL Jahr 2020 I Seite 3096).

§ ESTG § 14 Abs. ESTG § 14 Absatz 2 EStG – neu –

Die bloße Verkleinerung eines aktiv bewirtschafteten oder verpachteten Betriebs der Land- und Forstwirtschaft (LuF) führt nicht zu einer Betriebsaufgabe, sondern die im Betrieb verbleibenden Flächen stellen weiterhin land- und forstwirtschaftliches (luf) (Rest-)Betriebsvermögen dar. Nach der o.g. BFH-Rechtsprechung führt dagegen die Verkleinerung eines verpachteten luf Betriebs zu einer Betriebsaufgabe, wenn die verbleibende Fläche – bei Wiederaufnahme der Bewirtschaftung – nicht mehr ertragreich bewirtschaftet werden kann.

In § ESTG § 14 Abs. ESTG § 14 Absatz 2 Satz 1 EStG wird die vorstehende unterschiedliche Behandlung von aktiv bewirtschafteten und verpachteten Betrieben nunmehr in der Art vereinheitlicht, dass die Verkleinerung eines luf Betriebs allein nicht zur Betriebsaufgabe führt, wenn in diesem (Rest-)Betriebsvermögen luf Flächen verbleiben, die zur Erzeugung von Pflanzen oder Tieren i.S.d. § ESTG § 13 Abs. ESTG § 13 Absatz 1 EStG zu dienen bestimmt sind. Eine bestimmte Mindestgröße luf Flächen ist nicht erforderlich, nur die Existenz mindestens einer diesbezüglichen Fläche. Verbleibt im Rahmen der Betriebsverkleinerung jedoch keine luf Fläche, sondern lediglich z.B. ein Mietwohngrundstück, so führt diese Betriebsverkleinerung zwingend zu einer Betriebsaufgabe. Nach § ESTG § 14 Abs. ESTG § 14 Absatz 2 Satz 2 EStG kann bei verkleinerten verpachteten Betrieben weiterhin die Betriebsaufgabe nach § ESTG § 16 Abs. ESTG § 16 Absatz 3b Satz 1 Nr. 1 EStG erklärt werden. Bei einem aktiv bewirtschafteten Restbetrieb besteht diese Möglichkeit jedoch nur, wenn dieser Betrieb als sog. Liebhaberei einzustufen ist.

Anwendung:

Für alle offenen Fälle am Tag nach der Gesetzesverkündung.

§ ESTG § 14 Abs. ESTG § 14 Absatz 3 EStG – neu –

Der BFH hatte mit o.g. Urteilen in Abweichung von der bisherigen Verwaltungsauffassung entschieden, dass bei einer Realteilung dem übernehmenden Mitunternehmer kein Verpächterwahlrecht zusteht, wenn er das erhaltene landwirtschaftliche (ldw.) Grundstück lediglich verpachtet. Danach geht dieses unter Aufdeckung der stillen Reserven in das Privatvermögen über. Ist die Realteilung in festsetzungsverjährter Zeit geschehen, kann eine Besteuerung nicht mehr erfolgen.

Die Neuregelung schreibt nunmehr die bisherige Verwaltungsauffassung zur Behandlung einer Realteilung einer luf Mitunternehmerschaft fest, bei der einzelne ldw. Grundstücke auf die bisherigen Mitunternehmer übertragen werden. In Verpachtungsfällen fingiert sie beim übernehmenden Mitunternehmer für sämtliche erhaltene Grundstücke (ldw. Grundstücke und zusätzlich z.B. Mietwohngrundstücke) Betriebsvermögen mit der Folge, dass er insoweit einen Betrieb begründet und ihm hierfür ein Verpächterwahlrecht zusteht. Es kommt dabei weder auf die Größe des luf Grundstücks noch darauf an, ob dieses aus dem Gesamthandsvermögen oder aus einem Sonderbetriebsvermögen stammt. Voraussetzung für die Annahme von Betriebsvermögen ist jedoch, dass mindestens eine übertragene oder aus dem Sonderbetriebsvermögen überführte Fläche zur Erzeugung von Pflanzen oder Tieren i.S.d. § ESTG § 13 Abs. ESTG § 13 Absatz 1 EStG zu dienen bestimmt ist. Die Rechtsprechungsgrundsätze zur Betriebsneugründung sind nach Verwaltungsauffassung zu beachten.

Erhält der übernehmende Mitunternehmer keine luf nutzbare Fläche, sondern lediglich andere Wirtschaftsgüter (z.B. nur ein Mietwohngrundstück), sind diese zwangsläufig in das Privatvermögen zu entnehmen. Für den Betrieb des übernehmenden Mitunternehmers gelten die allgemeinen Grundsätze, insbesondere:

  • Gewinnerzielungsabsicht ist erforderlich.

  • Auch andere Wirtschaftsgüter (z.B. lebendes und totes Inventar) können diesem Betrieb zugeordnet werden.

  • Das erhaltene luf Grundstück bleibt grds. bis zu einer Veräußerung oder Nutzungsänderung (Entnahme) Betriebsvermögen.

Für eine Aufgabe dieses Betriebs gelten die Regelungen des § ESTG § 16 Abs. ESTG § 16 Absatz 3b EStG entsprechend. Es handelt sich in den vorgenannten Übertragungsfällen um eine Realteilung durch Übertragung von Einzelwirtschaftsgütern, so dass die Veräußerung oder Entnahme des Grundstücks innerhalb der Sperrfrist des § ESTG § 16 Abs. ESTG § 16 Absatz 3 Satz 3 EStG zum rückwirkenden Ansatz des Teilwerts führt.

Anwendung:

Für Übertragungen (= Rechtsträgerwechsel) bzw. Überführungen (= Rechtsnachfolge, kein Rechtsträgerwechsel) verpachteter ldw. Grundstücke nach dem 16. Dezember 2020 (§ ESTG § 14 Abs. ESTG § 14 Absatz 3 i.V.m. § ESTG § 52 Abs. ESTG § 52 Absatz 22c Satz 1 EStG).

Hinweis:

Zur Anwendung des § ESTG § 14 Abs. ESTG § 14 Absatz 3 EStG befindet sich zur Zeit das BMF-Schreiben „Übertragung und Überführung von land- und forstwirtschaftlichem Vermögen aus einer Mitunternehmerschaft und Verpächterwahlrecht bei land- und forstwirtschaftlichen Betrieben“ in Abstimmung zwischen Bund und Ländern.

8. § ESTG § 52 Abs. ESTG § 52 Absatz 22c EStG – Betriebsfortführungsfiktion; zeitl. Anwendungsbereich

Der Gesetzgeber hat in weiterer Reaktion auf die BFH-Rechtsprechung zum sog. Verpächterwahlrecht (zuletzt BFH-Urteile vom 17. Mai 2018 BFH Aktenzeichen VIR6615 VI R 66/15 und BFH Aktenzeichen VI R 73/15; Veröffentlichung beabsichtigt) den § ESTG § 52 Abs. ESTG § 52 Absatz 22c EStG eingefügt (JStG 2020; Art. 1 des Gesetzes vom 21. Dezember 2020, BGBl. I S. BGBL Jahr 2020 I Seite 3096).

Danach greift die in § ESTG § 14 Abs. ESTG § 14 Absatz 3 EStG normierte Betriebsfortführungsfiktion für Realteilungen vor dem 17. Dezember 2020, soweit ein unwiderruflicher Antrag des jeweiligen Mitunternehmers auf Fortführung der Betriebsvermögenseigenschaft gestellt wird. Form und Inhalt eines entsprechenden Antrages sind im Gesetz nicht vorgeschrieben.

Aus Beweissicherungsgründen stellt der Entwurf des o.g. BMF-Schreibens auf einen schriftlichen Antrag ab.

Nach Auffassung des LStN ist dieser eigenhändig zu unterschreiben und im Original vorzulegen. Das Wollen auf Erhalt der Betriebsvermögenseigenschaft muss in dem Antrag klar und unmissverständlich zum Ausdruck kommen und die betroffene Fläche eindeutig bezeichnet sein (z.B. durch Beifügen des Erbauseinandersetzungs-/Realteilungsvertrages).

Das Schreiben ist nach dem Gesetzeswortlaut bei dem Finanzamt zu stellen, das für die einheitliche und gesonderte Feststellung der Einkünfte der Mitunternehmerschaft zuständig ist. Nach Auffassung des LStN ist der Antrag nach dortiger Prüfung zur Aufnahme in die Dauerheftung (Grund- und Bodenheftung) beim Wohnsitzfinanzamt des ausgeschiedenen Mitunternehmers zu nehmen, da dort die künftigen Rechtsfolgen zu überwachen und zu berücksichtigen sind (Entnahmen, Übertragungen usw.).

Anwendung:

Realteilungen vor dem 17. Dezember 2020. Der zeitliche Rahmen (nur offene Fälle oder auch weitergehende Rückwirkung?) und personelle Rahmen (neben dem ausgeschiedenen Mitunternehmer auch dessen Rechtsnachfolger?) wird gegenwärtig auf Bund-Länderebene abgestimmt (o.b. BMF-Schreiben).

9. § ESTG § 17 EStG – Veräußerung von Anteilen an Kapitalgesellschaften

In § ESTG § 17 Abs. ESTG § 17 Absatz 1 Satz 3 EStG werden nach den Wörtern „solche Beteiligungen“ die Wörter „sowie Anteile an einer optierenden Gesellschaft“ i.S.d. § KSTG § 1a des Körperschaftsteuergesetzes“ eingefügt.

Anwendung:

ab 1. Januar 2022

Hinweis:

Es handelt sich um eine klarstellende Folgeänderung aus der Einfügung des neuen § KSTG § 1a KStG. Die Anteile i.S.d. § KSTG § 1a Abs. KSTG § 1A Absatz 3 KStG – neu – an einer optierenden Gesellschaft werden (wie bereits von § KSTG § 1a Abs. KSTG § 1A Absatz 3 KStG – neu – angeordnet) auch in § ESTG § 17 Abs. ESTG § 17 Absatz 1 Satz 3 EStG den dort aufgeführten Beteiligungen an einer Kapitalgesellschaft gleichgestellt.

10. § ESTG § 24b EStG – Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Der zum Kalenderjahr 2020 für die Kalenderjahre 2020 und 2021 auf 4008 EUR erhöhte Entlastungsbetrag für Alleinerziehende wurde entfristet.

Anwendung:

ab dem 1. Januar 2022

11. § ESTG § 33a Abs. ESTG § 33A Absatz 1 Satz 1 EStG – Unterstützung bedürftiger Personen

Der Unterhaltshöchstbetrag wird von 9744 EUR auf 9984 EUR angehoben. Die Anpassung des Grundfreibetrages ist phasengleich auf den in § ESTG § 33a Abs. ESTG § 33A Absatz 1 Satz 1 EStG geregelten Abzug zwangsläufiger Unterhaltsleistungen übernommen worden.

Anwendung:

ab VZ 2021

12. § ESTG § 49 Abs. ESTG § 49 Absatz 1 Nr. 11 EStG (neu) – Hybride Gestaltungen

Danach sind die Einkünfte aus der Beteiligung an einer Personengesellschaft oder Gemeinschaft, die deshalb keiner Besteuerung unterliegen, weil die Gesellschaft in dem Staat, in dem sie eingetragen oder niedergelassen ist, als steuerlich transparent, in dem Staat, in dem der Beteiligte seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat, aber als steuerlich intransparent behandelt wird (umgekehrt hybride Rechtsträger), grundsätzlich von dem erstgenannten Staat zu besteuern.

Anwendung:

ab VZ 2022

Hinweis:

Hiermit wird der Vermeidung der Besteuerung dieser Einkünfte durch die Nutzung hybrider Gestaltungen entgegengetreten. Für die Annahme inländischer Einkünfte wird der Inlandsbezug über die Beteiligung an einer Personengesellschaft oder Gemeinschaft mit Sitz oder Geschäftsleitung im Inland bzw. Eintragung in ein inländisches Register hergestellt.

13. § ESTG § 111 EStG – Vorläufiger Verlustabzug für 2020 und 2021

Die Betragsgrenzen für die Anwendung des vorläufigen Verlustabzugs wurden entsprechend der Beträge in § ESTG § 10d Abs. ESTG § 10D Absatz 1 EStG auf 10 Mio. Euro bzw. 20 Mio. Euro (bei Zusammenveranlagung) angehoben. Der vorläufige Verlustrücktrag für 2021 sowie die Stundung der Einkommensteuernachzahlung 2020 sind zu gewähren

Anwendung:

ab VZ 2020

14. BMF-Schreiben vom BMF 29. Oktober 2021, BStBl. I S. BSTBL I Seite 2202 zur Fussnote [7]

Mit BMF-Schreiben vom BMF 2. Juni 2021 (BStBl. I S. BSTBL Jahr 2021 I Seite 722) zur Fussnote [8] hat das BMF eine Vereinfachungsregelung für kleine Photovoltaikanlagen und vergleichbare Blockheizkraftwerke erlassen (vgl. hierzu auch LStN vom 18. August 2021 LSTN Aktenzeichen S2240362ST223 S 2240 – 362 – St 223). Die Vereinfachungsregelung hat das BMF mit Schreiben vom 29. Oktober 2021 umfassend überarbeitet und das bisherige BMF-Schreiben aufgehoben. Meine o.g. Verfügung habe ich entsprechend angepasst (s. LStN vom 21. Januar 2022 LSTN Aktenzeichen S2240362ST223 S 2240 – 362 – St 223).

C. Forschungszulage

1. § FZULG § 5 Abs. FZULG § 5 Absatz 4 FZulG – gesondertes Feststellungsverfahren

Mit Art. GRSTREFUG Artikel 5 des Grundsteuerreform-Umsetzungsgesetzes (GrStRefUG) wurde das Verfahren zur gesonderten Feststellung von förderfähigen Aufwendungen eingeführt, das rückwirkend zum 1. Januar 2020 in Kraft getreten ist.

Dies betrifft zum einen die Präzisierung der Definition „verbundene Unternehmen“ und die damit im Zusammenhang stehende Begrenzung der Bemessungsgrundlage (§ FZULG § 3 Abs. FZULG § 3 Absatz 6 FZulG) und zum anderen die Einführung des Verfahrens zur gesonderten Feststellung von förderfähigen Aufwendungen gem. § FZULG § 5 Abs. FZULG § 5 Absatz 4 FZulG.

Betroffen hiervon sind Anträge auf FZul von Anspruchsberechtigten, bei denen die Einkünfte gesondert festgestellt werden gem. § AO § 180 Abs. AO § 180 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2b AO.

Hierbei fallen Wohnsitz- und Betriebsfinanzamt auseinander. Da die nach dem FZulG förderfähigen Aufwendungen regelmäßig im Betrieb der oder des Anspruchsberechtigten anfallen, kann das Wohnsitzfinanzamt (Wohnsitz-FA) nicht ohne Weiteres auf die betriebsbezogen Angaben und Gewinnermittlungen zugreifen. Um eine Prüfung des Antrags zu erleichtern, wurde das o.g. Verfahren in das FZulG aufgenommen.

Einzelheiten regelt die Vfg. LStN vom 1. Dezember 2021 LSTN Aktenzeichen O2000243Z164 O 2000 – 243 – Z 164.

Anwendung:

erstmals für den Erhebungszeitraum 2020

D. Gewerbesteuer

1. § GEWSTG § 9 Nr. 1 Satz 3 GewStG – unschädliche Nebentätigkeiten

Für die erweiterte Kürzung wurde durch das FoStoG der Katalog der unschädlichen Nebentätigkeiten ergänzt.

Satz 2 gilt entsprechend, wenn

  • a)in Verbindung mit der Errichtung und Veräußerung von Eigentumswohnungen Teileigentum im Sinne des Wohnungseigentumsgesetzes errichtet und veräußert wird und das Gebäude zu mehr als 66 2/3 Prozent Wohnzwecken dient,

  • b)in Verbindung mit der Verwaltung und Nutzung des eigenen Grundbesitzes Einnahmen aus der Lieferung von Strom

    • aa)im Zusammenhang mit dem Betrieb von Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien i.S.d. § EEG § 3 Nr. 21 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes oder

    • bb)aus dem Betrieb von Ladestationen für Elektrofahrzeuge oder Elektrofahrräder erzielt werden und diese Einnahmen im Wirtschaftsjahr nicht höher als 10 Prozent der Einnahmen aus der Gebrauchsüberlassung des Grundbesitzes sind; die Einnahmen im Sinne von Doppelbuchst. aa dürfen nicht aus der Lieferung an Letztverbraucher stammen, es sei denn, diese sind Mieter des Anlagenbetreibers, oder

  • c)Einnahmen aus unmittelbaren Vertragsbeziehungen mit den Mietern des Grundbesitzes aus anderen als den in den Buchst. a und b bezeichneten Tätigkeiten erzielt werden und diese Einnahmen im Wirtschaftsjahr nicht höher als 5 Prozent der Einnahmen aus der Gebrauchsüberlassung des Grundbesitzes sind.

Hierzu soll noch ein gesondertes BMF-Schreiben ergehen.

Anwendung:

ab Erhebungszeitraum 2021

2. § GEWSTG § 29 Abs. GEWSTG § 29 Absatz 1 Nr. 2 GewStG – Zerlegungsmaßstab

Änderung der Verhältnisse von 30/70 auf 10/90 und Abkehr von einer Zerlegung nach dem Sachanlagevermögen hin zu einer Zerlegung nach der installierten Leistung durch das FoStoG vom 3. Juni 2021.

Zerlegungsmaßstab ist nun nur noch zu einem Zehntel das Verhältnis der an die bei der Betriebsstätte der jeweiligen Gemeinde beschäftigten Arbeitnehmer gezahlten Arbeitslöhne zur Summe der an die bei allen Betriebsstätten beschäftigen Arbeitnehmer gezahlten Arbeitslöhne und zu neun Zehnteln das Verhältnis, in dem die installierte Leistung der Betriebsstätte der jeweiligen Gemeinde zur Summe der installierten Leistung i.S.v. § EEG § 3 Nr. 31 des EEG in allen Betriebsstätten steht.

Anwendung:

erstmals für den Erhebungszeitraum 2021

E. Körperschaftsteuer/Umwandlungssteuer/Gemeinnützigkeit

1. § KSTG § 1a KStG – Option zur Körperschaftbesteuerung

Mit dem neuen § KSTG § 1a KStG wird Personenhandelsgesellschaften (Kommanditgesellschaften, offene Handelsgesellschaften sowie vergleichbare ausländische Gesellschaften) und Partnerschaftsgesellschaften und ihren Gesellschaftern die Möglichkeit eingeräumt, ertragsteuerlich und demzufolge auch verfahrensrechtlich wie eine Kapitalgesellschaft und deren nicht persönlich haftende Gesellschafter behandelt zu werden (vgl. hierzu das BMF-Schreiben vom BMF 10. November 2021, BStBl. I S. BSTBL Jahr 2021 I Seite 2212 zur Fussnote [9], und die Präsentation Optionsmodell nach dem Körperschaftsteuer-Modernisierungsgesetz (KöMoG) § KSTG § 1a KStG in JURIS/ND https://connect.juris.de/connect?docId=CUST000036996)

Anwendung:

§ KSTG § 1a KStG ist erstmals für den VZ 2021 anzuwenden mit der Maßgabe, dass der Antrag erstmals für nach dem 31. Dezember 2021 beginnende Wirtschaftsjahre gestellt werden kann.

2. § KSTG § 8 Abs. KSTG § 8 Absatz 1 Satz 4 KStG – Ermittlung des Einkommens

Nach § KSTG § 1 Abs. KSTG § 1 Absatz 1 KStG sind Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen, die ihre Geschäftsleitung oder ihren Sitz im Inland haben, unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig. In Auslegung des § KSTG § 1 Abs. KSTG § 1 Absatz 1 KStG hat der BFH entschieden, dass auch ausländische Kapitalgesellschaften mit Geschäftsleitung im Inland unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig sein können (BFH-Urteil vom 8. September 2010 BFH Aktenzeichen IR609 I R 6/09, BStBl. 2013 II S. BSTBL Jahr 2013 II Seite 186).

Dies gilt auch dann, wenn die ausländische Kapitalgesellschaft nach den allgemeinen Regeln des deutschen Privatrechts nicht zivilrechtsfähig ist. Vorbehaltlich völkerrechtlicher Verträge ist eine in einem Drittstaat gegründete Kapitalgesellschaft nur dann als solche in Deutschland zivilrechtsfähig, wenn sie im Inland nicht ihren Verwaltungssitz hat. Anderenfalls würde eine Zivilrechtsfähigkeit eine Eintragung im deutschen Handelsregister erfordern, was jedoch eine Neugründung voraussetzt.

Infolgedessen ist eine Drittstaats-Kapitalgesellschaft mit Verwaltungssitz im Inland nicht als Kapitalgesellschaft zivilrechtsfähig. Sie ist aber nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs als rechtsfähige Personengesellschaft deutschen Rechts zu behandeln, nämlich als offene Handelsgesellschaft oder Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die keiner Eintragung in ein deutsches Register bedürfen (BGH vom 27. Oktober 2008 BGH Aktenzeichen IIZR15806 II ZR 158/06, a.a.O.). Ist nur eine Person an der Drittstaats-Kapitalgesellschaft beteiligt, tritt zivilrechtlich der bisherige Alleingesellschafter als natürliche oder juristische Person an deren Stelle. Betreibt die Drittstaats-Kapitalgesellschaft ein Handelsgewerbe i.S.v. § HGB § 1 Abs. HGB § 1 Absatz 2 HGB, ist diese Person Kaufmann im Sinne des Handelsgesetzbuchs.

Insoweit kommt es zu einem Auseinanderfallen von zivilrechtlicher und körperschaftsteuerlicher Sichtweise.

Durch die Ergänzung des § KSTG § 8 Abs. KSTG § 8 Absatz 1 KStG wird klargestellt, dass auch Leistungen (z.B. Auszahlung eines Geschäftsführergehalts) und Leistungsversprechen (z.B. Vereinbarung einer betrieblichen Altersversorgung mit dem Geschäftsführer) zwischen Körperschaften i.S.d. § KSTG § 1 Abs. KSTG § 1 Absatz 1 KStG mit Sitz im Ausland, deren Ort der Geschäftsleitung im Inland belegen ist und die nach inländischem Gesellschaftsrecht mangels Rechtsfähigkeit nicht als juristische Person zu behandeln sind, und Personen, die aus diesen Körperschaften Einkünfte i.S.d. § ESTG § 20 Abs. ESTG § 20 Absatz 1 Nr. 1 und 9 EStG erzielen, für Zwecke der Durchführung der Besteuerung nach dem Körperschaftsteuer-, dem Einkommensteuer-, dem Außensteuergesetz sowie sonstigen ertragsteuerlichen Regelungen (einschließlich des Gewerbesteuergesetzes) zu beurteilen sind. Für deren steuerliche Beurteilung gelten die allgemeinen Grundsätze einschließlich der Vorschriften über verdeckte Gewinnausschüttungen und verdeckte Einlagen nach § KSTG § 8 Abs. KSTG § 8 Absatz 3 KStG.

Insbesondere aufgrund des Ausscheidens des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland aus der EU ist die Klarstellung geboten. Denn nach Ablauf der zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich vereinbarten Übergangsfrist zum 31. Dezember 2020 ist für eine große Anzahl von nach dem Recht des Vereinigten Königreichs gegründeten „private company limited by shares“, die ihren Ort der Geschäftsleitung im Inland haben, sowie deren zu einem Großteil inländische Anteilseigner die Frage relevant, wie die Beziehungen zwischen den Gesellschaften und ihren Gesellschaftern zu würdigen sind.

Daraus folgt für die ertragsteuerliche Behandlung dieser Gesellschaften sowie deren Gesellschaftern: Einnahmen und andere Vorteile für Kapitalgewährungen, für Tätigkeiten eines Gesellschafters im Dienst seiner Gesellschaft oder für die Überlassung von Wirtschaftsgütern können nach allgemeinen Grundsätzen zu Aufwendungen der Kapitalgesellschaft und zu Einkünften des Gesellschafters führen. Sind die Vergütungen der Gesellschaft an ihren Gesellschafter oder an diesem nahestehende Personen durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst und daher als verdeckte Gewinnausschüttung i.S.d. § KSTG § 8 Abs. KSTG § 8 Absatz 3 Satz 2 KStG zu qualifizieren, führen sie bei den Gesellschaftern zu (ggf. nach § ESTG § 3 Nr. 40 EStG bzw. § KSTG § 8b KStG begünstigten) Einkünften nach § ESTG § 20 Abs. ESTG § 20 Absatz 1 Nr. 1 EStG und unterliegen grundsätzlich dem Kapitalertragsteuerabzug nach § ESTG § 43 ff. EStG. Im Gegenzug unterliegen bilanzierungsfähige Vorteilszuwendungen eines Gesellschafters an seine Gesellschaft den Grundsätzen der verdeckten Einlage nach § KSTG § 8 Abs. KSTG § 8 Absatz 3 Satz 3 ff. KStG. Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen an der Gesellschaft können zu Einkünften nach § ESTG § 17 EStG führen.

Die Einkünfte, die ein Gesellschafter aus Geschäftsbeziehungen zur Gesellschaft bezieht, werden unter den gleichen Voraussetzungen wie bei einem Gesellschafter einer unbeschränkt steuerpflichtigen Kapitalgesellschaft mit Sitz im Inland zu gewerblichen Einkünften i.S.d. § ESTG § 15 EStG, insbesondere im Fall einer Betriebsaufspaltung.

Anwendung:

§ KSTG § 8 Abs. KSTG § 8 Absatz 1 Satz 4 KStG ist klarstellender Natur (vgl. BFH-Urteil vom 8. September 2010 BFH Aktenzeichen IR609 I R 6/09, BStBl. 2013 II S. BSTBL Jahr 2013 II Seite 186) und auf alle offenen Fälle anzuwenden.

3. § KSTG § 8b Abs. KSTG § 8B Absatz 1 Satz 3 KStG – Hybride Übertragungen

§ KSTG § 8b Abs. KSTG § 8B Absatz 1 Satz 3 KStG setzt wie § ESTG § 3 Nr. 40 Satz 1 Buchst. d Satz 3 EStG Art. ATADUMSG Artikel 9 Abs. ATADUMSG Artikel 9 Absatz 2 Buchst. b i.V.m. Art. ATADUMSG Artikel 2 Abs. ATADUMSG Artikel 2 Absatz 9 Unterabsatz 1 Buchst. a ATADUmsG um und ordnet an, dass Erträge aus einer hybriden Übertragung steuerlich berücksichtigt werden, soweit die Besteuerungsinkongruenz nicht oder nur teilweise – z.B. durch die Anwendung einer dem § ESTG § 4k Abs. ESTG § 4K Absatz 1 EStG entsprechenden Regelung – im anderen Staat beseitigt wurde.

Anwendung:

Die Vorschrift ist erstmals für Bezüge anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2019 zufließen.

4. § KSTG § 8b Abs. KSTG § 8B Absatz 3 Satz 6 KStG – Währungskursverluste

Durch die Gesetzesänderung werden Währungskursverluste von dem Abzugsverbot des § KSTG § 8b Abs. KSTG § 8B Absatz 3 Satz 4 und 5 KStG ausgenommen. Dadurch wirken sich nunmehr Gewinne und Verluste aufgrund von Währungskursschwankungen im Zusammenhang mit Gesellschafterdarlehen bzw. Inanspruchnahmen von Sicherheiten für Darlehensforderungen gleichermaßen bei der Ermittlung des steuerlichen Einkommens aus.

Anwendung:

Die Änderung des § KSTG § 8b Abs. KSTG § 8B Absatz 3 Satz 6 KStG ist erstmals für Gewinnminderungen i.S.d. § KSTG § 8b Abs. KSTG § 8B Absatz 3 Satz 4 und 5 KStG anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2021 eintreten.

5. § KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 1 Satz 3 KStG – Wegfall einer Beschränkung des Besteuerungsrechts

§ KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 1 Satz 3 KStG entspricht dem durch dieses Änderungsgesetz neu eingefügten § ESTG § 4 Abs. ESTG § 4 Absatz 1 Satz 3 zweiter Halbsatz und Satz 9 EStG und regelt den Fall des Wegfalls einer Beschränkung des Besteuerungsrechts hinsichtlich des Gewinns aus der Veräußerung eines Wirtschaftsguts (z.B. im Fall der Überführung eines Wirtschaftsguts aus einer Anrechnungsbetriebsstätte in eine inländische Betriebsstätte). Das Wirtschaftsgut gilt in diesem Fall als zu dem Wert veräußert und wieder angeschafft, den der andere Staat im Rahmen einer Entstrickungsbesteuerung zugrunde gelegt hat, höchstens dem gemeinen Wert.

Anwendung:

Die Neuregelung ist erstmals für nach dem 31. Dezember 2019 endende Wirtschaftsjahre anzuwenden.

6. § KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 1a KStG – Wertansatz im Fall der erstmaligen Verstrickung

§ KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 1a KStG setzt Art. ATADUMSG Artikel 5 Abs. ATADUMSG Artikel 5 Absatz 5 ATADUmsG um, der hinsichtlich des Wertansatzes im Fall der erstmaligen Verstrickung von Wirtschaftsgütern oder dem Wegfall einer Beschränkung des Besteuerungsrechts nicht zwischen Wirtschaftsgütern des Betriebsvermögens und Wirtschaftsgütern der außerbetrieblichen Sphäre einer Körperschaft differenziert. Letztere sind nicht von § ESTG § 4 Abs. ESTG § 4 Absatz 1 Satz 3 zweiter Halbsatz und Satz 8 zweiter Halbsatz EStG, § ESTG § 4 Abs. ESTG § 4 Absatz 1 Satz 9 – neu – EStG und dem bisherigen § ESTG § 4 Abs. ESTG § 4 Absatz 1 Satz 9 (künftig: Satz 10) EStG über den allgemeinen Verweis in § KSTG § 8 Abs. KSTG § 8 Absatz 1 KStG erfasst, da diese grundsätzlich nur auf Gewinneinkünfte Anwendung finden. Durch § KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 1a KStG wird § ESTG § 4 Abs. ESTG § 4 Absatz 1 Satz 3 zweiter Halbsatz und Satz 8 zweiter Halbsatz EStG, der durch dieses Änderungsgesetz ergänzte § ESTG § 4 Abs. ESTG § 4 Absatz 1 Satz 9 – neu – EStG sowie der bisherige § ESTG § 4 Abs. ESTG § 4 Absatz 1 Satz 9 (künftig: Satz 10) EStG für entsprechend anwendbar erklärt.

Anwendung:

Die Neuregelung ist erstmals für nach dem 31. Dezember 2019 endende Wirtschaftsjahre anzuwenden.

7. § KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 2 KStG – Umwandlung von Körperschaften

§ KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 2 KStG wird aufgehoben, da die ertragsteuerliche Behandlung von Umwandlungen von Körperschaften künftig einheitlich im Umwandlungssteuergesetz geregelt wird (vgl. § UMWSTG § 1 UmwStG).

Anwendung:

§ KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 2 KStG ist letztmals auf Drittstaaten-Verschmelzungen mit steuerlichem Übertragungsstichtag am 31. Dezember 2021 anwendbar.

8. § KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 3 KStG – Wegzug von Körperschaften in Drittstaaten

Infolge der Erweiterung des persönlichen Anwendungsbereichs des Umwandlungssteuerrechts für Körperschaften auf Staaten außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums besteht auch keine Notwendigkeit mehr, Wegzüge von Körperschaften in Drittstaaten anders zu behandeln als Wegzüge in EU/EWR-Staaten. § KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 3 KStG wird daher ebenfalls aufgehoben.

Anwendung:

§ KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 3 KStG ist erstmals für den VZ 2022 nicht mehr anzuwenden.

9. § KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 4 KStG – Zurechnung von Wirtschaftsgütern auf eine Limited

Die bisherige Sonderregelung zur Zurechnung von Wirtschaftsgütern auf eine Limited kann wegen der Ergänzung des § KSTG § 8 Abs. KSTG § 8 Absatz 1 Satz 4 KStG entfallen.

Anwendung:

§ KSTG § 12 Abs. KSTG § 12 Absatz 4 KStG ist letztmals für VZ vor 2021 anzuwenden.

10. § KSTG § 14 Abs. KSTG § 14 Absatz 4 KStG – Einlagelösung

Mit dem Gesetz zur Modernisierung des Körperschaftsteuerrechts werden bei einer körperschaftsteuerlichen Organschaft die bisherigen steuerlichen Ausgleichsposten für Mehr- und Minderabführungen durch die sog. Einlagelösung (§ KSTG § 14 Abs. KSTG § 14 Absatz 4 Satz 1 und 2 KStG) ersetzt. Nach der Neuregelung führen organschaftliche Minderabführungen zu einer Einlage durch den Organträger in die Organgesellschaft, Mehrabführungen der Organgesellschaft an den Organträger stellen eine Einlagenrückgewähr dar (sog. Einlagelösung).

Durch die gesetzliche Änderung mindern bzw. erhöhen die Mehr- und Minderabführungen direkt den Beteiligungsbuchwert der Organgesellschaft. Es gehen damit korrespondierende Änderungen im Zusammenhang mit dem steuerlichen Einlagekonto einher.

Ein BMF-Schreiben zu dem neuen § KSTG § 14 Abs. KSTG § 14 Absatz 4 KStG zur Klärung von Anwendungsfragen ist in Vorbereitung.

Anwendung:

Die Änderungen sind erstmals auf Mehr- bzw. Minderabführungen nach dem 31. Dezember 2021 anzuwenden (§ KSTG § 34 Abs. KSTG § 34 Absatz 6e Satz 5 KStG).

11. § UMWSTG § 1 UmwStG – Globalisierung des Umwandlungssteuerrechts

Durch die Aufhebung des § UMWSTG § 1 Abs. UMWSTG § 1 Absatz 2 UmwStG und die darin enthaltenen Beschränkungen auf EU/EWR-Staaten wird das Umwandlungssteuerrecht für Körperschaften als übertragene Rechtsträger vollständig globalisiert. Künftig fallen weltweit alle Umwandlungen von Körperschaften i.S.d. § UMWSTG § 1 Abs. UMWSTG § 1 Absatz 1 Satz 1 UmwStG, die einer inländischen Umwandlung im Sinne des Umwandlungsgesetzes vergleichbar sind, in den Anwendungsbereich des Umwandlungssteuergesetzes.

Anwendung:

Die Neufassung des § UMWSTG § 1 UmwStG ist erstmals auf Umwandlungen und Einbringungen anzuwenden ist, deren steuerlicher Übertragungsstichtag nach dem 31. Dezember 2021 liegt.

12. AEAO zu § AEAO § 52, Nr. 7 – IPSC-Schießen

Im Einzelfall kann IPSC-Schießen (International Practical Shooting Confederation – IPSC) gemeinnützig sein. Hier wurden der Hinweis auf das insofern ergangene BFH-Urteil vom 27. September 2018 BFH Aktenzeichen VR4816 V R 48/16, BStBl. 2019 II S. BSTBL Jahr 2019 II Seite 790, sowie die Inhalte des die Veröffentlichung des BFH-Urteils begleitenden BMF-Schreibens vom BMF 12. Dezember 2019, BStBl. I S. BSTBL Jahr 2019 I Seite 1370 zur Fussnote [10], in den AEAO aufgenommen.

Anwendung:

auf alle noch offenen Fälle

Hinweis:

siehe auch Rundverfügungen und LStN vom 15. und 30. Dezember 2021 LSTN Aktenzeichen S 0170 – 34 – St 245

13. AEAO zu § AEAO § 52, Nr. 9 und Nr. 16 – Attac-Entscheidungen

Hier wurden BFH-Entscheidungen zum Thema politische Bildung/politische Betätigung und Gemeinnützigkeit verarbeitet (sog. „Attac-Entscheidungen“). In AEAO zu § AEAO § 52, Nr. 16 finden sich dazu Ausführungen unter den Überschriften

  • Politik ist kein eigenständiger steuerbegünstigter Zweck,

  • Politische Betätigung als Mittel zur Verwirklichung satzungsmäßiger steuerbegünstigter Zwecke sowie

  • Politische Betätigung außerhalb der satzungsmäßigen steuerbegünstigten Zwecke.

Seitens des LStN wurde zuletzt mit der Rundverfügung LStN vom 27. August 2021 LSTN Aktenzeichen S017185ST245Z S 0171 – 85 – St 245 zu dieser Thematik informiert.

Anwendung:

auf alle noch offenen Fälle

Hinweis:

siehe auch Rundverfügungen LStN vom 15. und 30. Dezember 2021 LSTN Aktenzeichen S 0170 – 34 – St 245

14. AEAO zu § AEAO § 55, Nr. 25 – Mittelfehlverwendung

Die BFH-Rechtsprechung zur Mittelfehlverwendung im Zusammenhang mit der Unangemessenheit von Geschäftsführergehältern wurde in den AEAO aufgenommen.

Anwendung:

auf alle noch offenen Fälle

Hinweis:

siehe auch RundverfügungenLStN vom 15. und 30. Dezember 2021 LSTN Aktenzeichen S 0170 – 34 – St 245

15. AEAO zu § AEAO § 57, Nr. 8 und 9 – Bezeichnung der Beteiligten einer Kooperation

Die neuesten Beschlüsse auf Bund-Länder-Ebene zur Problematik des § AO § 57 Abs. AO § 57 Absatz 3 AO (JStG 2020) hinsichtlich der Bezeichnung der Beteiligten einer Kooperation in der Satzung einer Körperschaft sowie bezüglich der zivilrechtlichen und gemeinnützigkeitsrechtlichen Wirksamkeit des planmäßigen Zusammenwirkens von steuerbegünstigten Körperschaften wurden an dieser Stelle in den AEAO eingearbeitet. In diesem Zusammenhang wird ausdrücklich auf die in juris eingestellte Präsentation „Änderungen des Gemeinnützigkeitsrechts durch das JStG 2020“ zum Erfahrungsaustausch 2021 der SGL KSt/Gem. hingewiesen (Pfad: ND Dokumente-Steuer-Gemeinnützigkeit-Tagungsunterlagen und Niederschriften), dort explizit auf die Folien 26-30.

Anwendung:

auf alle noch offenen Fälle

Hinweis:

siehe auch RundverfügungenLStN vom 15. und 30. Dezember 2021 LSTN Aktenzeichen S 0170 – 34 – St 245

16. AEAO zu § AEAO § 59, Nr. 3 – Prüfungszeitraum für neu gegründete steuerbegünstigte Körperschaften

Hier geht es um den Prüfungszeitraum bei neu gegründeten steuerbegünstigten Körperschaften. Die in der Praxis bereits seit geraumer Zeit angewandte bewährte Methode wurde in den AEAO aufgenommen.

Anwendung:

auf alle noch offenen Fälle

Hinweis:

siehe auch Rundverfügungen LStN vom 15. und 30. Dezember 2021 LSTN Aktenzeichen S 0170 – 34 – St 245

17. AEAO zu § AEAO § 63, Nr. 6 – Verhältnismäßigkeit und Bagatellvorbehalt bei Entzug der Gemeinnützigkeit

Es wird ein Hinweis auf das Verhältnismäßigkeitsprinzip und den Bagatellvorbehalt bei der Entscheidung bzgl. des Entzugs der Gemeinnützigkeit unter Bezugnahme auf die neueste BFH-Rechtsprechung gegeben.

Anwendung:

auf alle noch offenen Fälle

Hinweis:

siehe auch Rundverfügungen LStN vom 15. und 30. Dezember 2021 LSTN Aktenzeichen S 0170 – 34 – St 245

18. AEAO zu § AEAO § 67 – besondere Behandlungsleistungen eines Arztes

Hier wurden die Ausführungen ergänzt in Bezug auf besondere Behandlungsleistungen eines Arztes.

Anwendung:

auf alle noch offenen Fälle

Hinweis:

siehe auch Rundverfügungen LStN vom 15. und 30. Dezember 2021 LSTN Aktenzeichen S 0170 – 34 – St 245

19. AEAO zu § AEAO § 68, Nr. 7 – Inklusionsbetriebe

Die Ausführungen zu den Inklusionsbetrieben wurden insgesamt überarbeitet und ergänzt.

Anwendung:

auf alle noch offenen Fälle

Hinweis:

siehe auch Rundverfügungen LStN vom 15. und 30. Dezember 2021 LSTN Aktenzeichen S 0170 – 34 – St 245

F. Umsatzsteuer

1. § USTG § 4 Nr. 7 Satz 1 Buchst. e) und f) UStG – Steuerbefreiung für Leistungen an die Streitkräfte anderer Mitgliedstaaten

Mit dem Jahressteuergesetz 2020 wurde die Steuerbefreiung i.S.d. § USTG § 4 Nr. 7 UStG durch die Ergänzung der beiden neuen Buchst. e) und f) in Satz 1 auf Leistungen, die an die Streitkräfte anderer Mitgliedstaaten erbracht werden, ausgedehnt.

Anwendung:

ab dem 1. Juli 2022

2. § USTG § 4c UStG – Steuervergütung für Leistungsbezüge europäischer Einrichtungen

Durch das Gesetz zur Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben im Umsatzsteuerrecht vom 21. Dezember 2021 ist der § USTG § 4c UStG neu eingeführt worden. Bestimmte abschließend aufgeführte Europäische Einrichtungen können die Umsatzsteuerbeträge für an sie ausgeführte Leistungen vergütet bekommen. Diese Vergütung erfolgt unter den Bedingungen, die in dem Vertrag über die Europäische Union und dem Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union festgelegt sind oder wenn es sich um Leistungen handelt, die zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie bezogen wurden und nicht entgeltlich an Dritte weitergegeben werden.

Der § USTG § 4c UStG ist auf Leistungen anzuwenden, die nach dem 31. Dezember 2020 bezogen werden (§ USTG § 27 Abs. USTG § 27 Absatz 35 UStG).

Anwendung:

ab dem 1. Januar 2021

3. § USTG § 5 Abs. USTG § 5 Absatz 1 Nrn. 8, 9 und 10 UStG – Steuerbefreiungen bei der Einfuhr

Der § USTG § 5 Abs. USTG § 5 Absatz 1 UStG wird um die Nrn. 8 und 9 erweitert.

Die Steuerbefreiung entspricht der Wirkung der Steuervergütung nach § USTG § 4c UStG, da in Einfuhrfällen die Anwendung eines Vergütungsverfahrens unionsrechtlich nicht zulässig ist.

Die Befreiung ist auf Einfuhren nach dem 31. Dezember 2020 anzuwenden (§ USTG § 27 Abs. USTG § 27 Absatz 35 UStG).

Anwendung:

ab dem 1. Januar 2021

Mit dem Jahressteuergesetz 2020 wurde der § USTG § 5 Abs. USTG § 5 Absatz 1 UStG um die Nr. 10 erweitert. Hierdurch wird die Einfuhr bestimmter Gegenstände durch Streitkräfte anderer Mitgliedstaaten von der Einfuhrumsatzsteuer freigestellt.

Anwendung:

ab dem 1. Juli 2022

4. § USTG § 12 Abs. USTG § 12 Absatz 2 Nr. 15 UStG – Befristete Anwendung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes für Restaurations- und Verpflegungsdienstleistungen

Die befristete Anwendung des ermäßigten Umsatzsteuersatzes für Restaurations- und Verpflegungsdienstleistungen (mit Ausnahme von Getränken) wurde durch das Dritte Corona-Steuerhilfegesetz verlängert.

Anwendung:

bis zum 31. Dezember 2022

5. § USTG § 24 Abs. USTG § 24 Absatz 1 Satz 1 UStG – Durchschnittssätze für land- und forstwirtschaftliche Betriebe – Einführung einer Umsatzgrenze

Für die Anwendung der Durchschnittssatzbesteuerung für land- und forstwirtschaftliche Betriebe wurde eine Umsatzgrenze eingeführt. Die Besteuerung nach Durchschnittssätzen findet Anwendung, wenn der Gesamtumsatz des Unternehmers (vgl. § USTG § 19 Abs. USTG § 19 Absatz 3 UStG) im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 600 000 Euro betragen hat. Zur Prüfung der Umsatzgrenze ist nicht nur auf die Umsätze aus der land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit abzustellen. Es sind alle steuerbaren Umsätze abzüglich der in § USTG § 19 Abs. USTG § 19 Absatz 3 Satz 1 Nr. 1 und 2 UStG genannten Umsätze einzubeziehen, die der Unternehmer ausführt. Betreibt ein Unternehmer zum Beispiel neben seinem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb noch eine Photovoltaikanlage, sind auch diese Umsätze im Rahmen des einheitlichen Unternehmens mit zu berücksichtigen. Weitere Anwendungsfragen zur Einführung der Umsatzgrenze regelt ein in Kürze ergehendes BMF-Schreiben. Die Einführung der Umsatzgrenze ist eine Reaktion auf das beim EuGH anhängige Verfahren der Europäischen Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland (Rechtssache EUGH Aktenzeichen C-57/20).

Anwendung:

ab dem 1. Januar 2022 (Art. JSTG2020 Artikel 11 Nr. 6 Buchst. a und Nr. 7 JStG 2020)

6. § USTG § 24 Abs. USTG § 24 Absatz 1 Satz 1 Nr. 3 und Satz 3 UStG – Durchschnittssätze für land- und forstwirtschaftliche Betriebe – Anpassung des Durchschnittssatzes

Ab dem Kalenderjahr 2022 wird der Durchschnittssatz für Pauschallandwirte (pauschaler Steuersatz für Ausgangsumsätze – § USTG § 24 Abs. USTG § 24 Absatz 1 Satz 1 Nr. 3 UStG und pauschaler Vorsteuersatz – § USTG § 24 Abs. USTG § 24 Absatz 1 Satz 3 UStG) von 10,7 % auf 9,5 % abgesenkt.

Zukünftig wird das BMF jährlich die Höhe des Durchschnittssatzes i.S.d. § USTG § 24 Abs. USTG § 24 Absatz 1 Satz 1 Nr. 3 und Satz 3 UStG überprüfen und den Deutschen Bundestag über das Ergebnis der Überprüfung informieren. Soweit nach der Überprüfung eine Anpassung des Durchschnittssatzes erforderlich ist, wird die Bundesregierung jeweils einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegen (§ USTG § 24 Abs. USTG § 24 Absatz 5 UStG).

Die Anpassung und künftige regelmäßige Überprüfung des Durchschnittssatzes für land- und forstwirtschaftliche Betriebe ist eine Reaktion auf das beim EuGH anhängige Verfahren der Europäischen Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland (Rechtssache EUGH Aktenzeichen C-57/20).

Anwendung:

ab dem 1. Januar 2022 (Art. BRD_001_2021_5250 Artikel 1 Nr. 5 und Art. BRD_001_2021_5250 Artikel 3 des Gesetzes zur Umsetzung unionsrechtlicher Vorgaben im Umsatzsteuerrecht vom 21. Dezember 2021)

7. § USTG § 25 UStG – Gesamtmargenbildung

Mit dem Gesetz zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften vom 12. Dezember 2019 (BGBl. I S. BGBL Jahr 2019 I Seite 2451) wurde § USTG § 25 UStG geändert. Die Sonderregelung ist nunmehr auch für den B2B-Bereich anzuwenden. Die Möglichkeit zur Gesamtmargenbildung wurde aufgehoben.

Anwendung:

§ 25 n.F. gilt ab 18. Dezember 2019 – mit Ausnahme der Aufhebung der Gesamtmargenbildung. Diese gilt mit Wirkung ab 1. Januar 2022 (vgl. § USTG § 27 Abs. USTG § 27 Absatz 26 UStG).

Hinweis:

Mit BMF-Schreiben vom BMF 24. Juni 2021 (BStBl. I S. BSTBL Jahr 2021 I Seite 857) zur Fussnote [11] wurde der UStAE zu § USTG § 25 umfänglich überarbeitet.

8. Verlängerung coronabedingter Billigkeitsmaßnahmen – BMF-Schreiben vom BMF 3. Dezember 2021 (BStBl. I S. BSTBL Jahr 2021 I Seite 2488) zur Fussnote [12] und vom BMF 14. Dezember 2021 (BStBl. I S. BSTBL Jahr 2021 I Seite 2500) zur Fussnote [13].

Die Billigkeitsregelungen des BMF-Schreibens vom BMF 15. Juni 2021 (BStBl. I S. BSTBL Jahr 2021 I Seite 855) zur Fussnote [14] für Leistungen, die im unmittelbaren Zusammenhang mit der Eindämmung und Bekämpfung der Covid-19-Pandemie von Einrichtungen des öffentlichen Rechts oder anderen Einrichtungen, die keine systematische Gewinnerzielung anstreben, erbracht werden, werden bis einschließlich Veranlagungszeitraum 2022 verlängert.

Anwendung:

bis einschließlich Veranlagungszeitraum 2022 für § USTG § 4 Nr. 18 UStG

Die Billigkeitsmaßnahmen der BMF-Schreiben vom BMF 9. April 2020 (BStBl. I S. BSTBL Jahr 2020 I Seite 498) zur Fussnote [15] und vom BMF 18. Dezember 2020 (BStBl. 2021 I S. BSTBL Jahr 2021 I Seite 57) zur Fussnote [16] zur unentgeltlichen Wertabgabe hinsichtlich medizinischen Materials oder Personals und zur Umsatzsteuerbefreiung für die Überlassungen von Sachmitteln und Räumen sowie von Arbeitnehmern und die Beschlüsse zum Vorsteuerabzug bei Nutzungsänderung werden bis zum 31. Dezember 2022 verlängert.

Anwendung:

bis 31. Dezember 2022

für § USTG § 3 Abs. USTG § 3 Absatz 1b, USTG § 9a UStG, § USTG § 4 Nrn. 14, 16, 18, USTG § 23, USTG § 25 UStG, § USTG § 15 UStG, § USTG § 15a UStG


Fussnoten
Fussnote [1] 

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Fussnote [2] 

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Fussnote [3] 

BeckVerw 564420.zurück zum Text

Fussnote [4] 

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Fussnote [5] 

BeckVerw 566090.zurück zum Text

Fussnote [6] 

BeckVerw 517575.zurück zum Text

Fussnote [7] 

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Fussnote [8] 

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Fussnote [9] 

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Fussnote [10] 

BeckVerw 461178.zurück zum Text

Fussnote [11] 

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Fussnote [12] 

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Fussnote [13] 

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Fussnote [14] 

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Fussnote [15] 

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Fussnote [16] 

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