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WPO § 55b Internes Qualitätssicherungssystem Clauß Ziegler/Gelhausen, WPO Kommentar
3. Auflage 2018

§ 55b Internes Qualitätssicherungssystem

(1) 1Berufsangehörige haben für ihre Praxis Regelungen zu schaffen, die die Einhaltung ihrer Berufspflichten gewährleisten, und deren Anwendung zu überwachen und durchzusetzen (internes Qualitätssicherungssystem). 2Das interne Qualitätssicherungssystem soll in einem angemessenen Verhältnis zum Umfang und zur Komplexität der beruflichen Tätigkeit stehen. 3Das interne Qualitätssicherungssystem ist zu dokumentieren und den Mitarbeitern der Berufsangehörigen zur Kenntnis zu geben.

(2) 1Bei Berufsangehörigen, die Abschlussprüfungen nach § 316 des Handelsgesetzbuchs durchführen, haben die Regelungen nach Absatz 1 angemessene Grundsätze und Verfahren zur ordnungsgemäßen Durchführung und Sicherung der Qualität der Abschlussprüfung zu umfassen. 2Dazu gehören zumindest

  • 1.solide Verwaltungs- und Rechnungslegungsverfahren, interne Qualitätssicherungsmechanismen, wirksame Verfahren zur Risikobewertung sowie wirksame Kontroll- und Sicherheitsvorkehrungen für Datenverarbeitungssysteme,

  • 2.Vorkehrungen zum Einsatz angemessener und wirksamer Systeme und Verfahren sowie der zur angemessenen Wahrnehmung der Aufgaben erforderlichen Mittel und des dafür erforderlichen Personals,

  • 3.Grundsätze und Verfahren, die die Einhaltung der Anforderungen an die Eigenverantwortlichkeit des verantwortlichen Abschlussprüfers nach § 44 Absatz 1 Satz 3 dieses Gesetzes und an die Unabhängigkeit nach den §§ 319 bis 319b des Handelsgesetzbuchs gewährleisten,

  • 4.Grundsätze und Verfahren, die sicherstellen, dass Mitarbeiter sowie sonstige unmittelbar an den Prüfungstätigkeiten beteiligte Personen über angemessene Kenntnisse und Erfahrungen für die ihnen zugewiesenen Aufgaben verfügen sowie fortgebildet, angeleitet und kontrolliert werden,

  • 5.die Führung von Prüfungsakten nach § 51b Absatz 5,

  • 6.organisatorische und administrative Vorkehrungen für den Umgang mit Vorfällen, die die ordnungsmäßige Durchführung der Prüfungstätigkeiten beeinträchtigen können, und für die Dokumentation dieser Vorfälle,

  • 7.Verfahren, die es den Mitarbeitern unter Wahrung der Vertraulichkeit ihrer Identität ermöglichen, potentielle oder tatsächliche Verstöße gegen die Verordnung (EU) Nr. 537/2014 oder gegen Berufspflichten sowie etwaige strafbare Handlungen oder Ordnungswidrigkeiten innerhalb der Praxis an geeignete Stellen zu berichten,

  • 8.Grundsätze der Vergütung und Gewinnbeteiligung nach § 55 und

  • 9.Grundsätze und Verfahren, die gewährleisten, dass im Fall der Auslagerung wichtiger Prüfungstätigkeiten die interne Qualitätssicherung und die Berufsaufsicht nicht beeinträchtigt werden.

(3) 1Im Rahmen der Überwachung nach Absatz 1 Satz 1 haben Berufsangehörige, die Abschlussprüfungen nach § 316 des Handelsgesetzbuchs durchführen, das interne Qualitätssicherungssystem zumindest hinsichtlich der Grundsätze und Verfahren für die Abschlussprüfung, für die Fortbildung, Anleitung und Kontrolle der Mitarbeiter sowie für die Handakte einmal jährlich zu bewerten. 2Im Fall von Mängeln des internen Qualitätssicherungssystems haben sie die zu deren Behebung erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen. 3Die Berufsangehörigen haben einmal jährlich in einem Bericht zu dokumentieren:

  • 1.die Ergebnisse der Bewertung nach Satz 1,

  • 2.Maßnahmen, die nach Satz 2 ergriffen oder vorgeschlagen wurden,

  • 3.Verstöße gegen Berufspflichten oder gegen die Verordnung (EU) Nr. 537/2014, soweit diese nicht nur geringfügig sind, sowie

  • 4.die aus Verstößen nach Nummer 3 erwachsenden Folgen und die zur Behebung der Verstöße ergriffenen Maßnahmen.

(4) Bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die gesetzlich vorgeschriebene Abschlussprüfungen durchführen, liegt die Verantwortung für das interne Qualitätssicherungssystem bei Berufsangehörigen, vereidigten Buchprüfern oder vereidigten Buchprüferinnen oder EU- oder EWR-Abschlussprüfern.

Schrifttum: Deussen, Qualitätssicherung der WP-Praxis und deren externe Überprüfung, WP Praxis 2017, 253; Haasmann, Der finale IDW QS 1, Die einzig wahre Berufsauffassung zur Qualitätssicherung?, WP Praxis 2017, 260; Haasmann, Der neue Qualitätssicherungsstandard des IDW – Erste Anmerkungen zu IDW EQS 1, WP Praxis 2017, 1; Maxl, Das Berufsrecht der Wirtschaftsprüfer – Schrittmacher der Modernisierung?, WPK-Mag. 2/2017, 47 und AnwBl 2017, 390; Gelhausen, Ausgestaltung eines internen Hinweisgebersystems („Whistleblowing“), WPK-Mag. 2/2017, 23; Farr, Die „kleine“ jährliche Nachschau nach § 55b Abs. 3 WPO, WPg 2017, 1368; Marten, Qualitätssicherung in der Wirtschaftsprüferpraxis (IDW EQS 1) – Neue Anforderungen an die Regelungen eines Qualitätssicherungssystems sowie Erkenntnisse aus der Durchführung der Aufsichtsratstätigkeit, WPg 2017, 610; Marten, Qualitätssicherung in der Wirtschaftsprüferpraxis (IDW EQS 1) – Der Qualitätsmanagementansatz im Lichte der Erkenntnisse aus der Durchführung von Aufsichtsratstätigkeiten, WPg 2017, 428; Farr, Das neue Qualitätssicherungssystem für Kleinpraxen, WPg 2017, 299; Veidt/Geithner, Das Abschlussprüferaufsichtsreformgesetz (APAReG) – Neuerungen im Berufsrecht der Wirtschaftsprüfer/vereidigten Buchprüfer, WP Praxis 2016, 217; Petersen, Nachschau – Wie werden die sensiblen Unterlagen am besten verwahrt?, WPK-Mag. 4/2016, 23; Bruckner, Auftragsdatei und Siegelliste – bitte nicht verwechseln, WPK-Mag. 4/2016, 25; Petersen/Geithner, Neue und geänderte Berufspflichten – die neugefasste Berufssatzung für WP/vBP, WPK-Mag. Sonderausgabe Oktober 2016, 6; Deussen, Qualitätssicherungssystem nach § 55b WPO unter besonderer Berücksichtigung der novellierten Berufssatzung, WP-Praxis 2016, 269.

  • I. Allgemeines (Rn. 1-11)

    • 1. Entwicklung der WPO vor APAReG/8. WPO-Novelle 2016 (Rn. 1-3)

    • 2. Entwicklung seit dem APAReG/8. WPO-Novelle 2016 (Rn. 4-6)

    • 3. Satzungsrecht (Berufssatzung WP/vBP) (Rn. 7-9)

    • 4. Untergesetzliche Regeln (Rn. 10, 11)

  • II. Die allgemeine Pflicht zum Schaffen, Überwachen und Durchsetzen eines Qualitätssicherungssystems (Abs. 1) (Rn. 12-23)

    • 1. Schaffen von Regelungen (Satz 1) (Rn. 13, 14)

    • 2. Überwachen und Durchsetzen von Regelungen (Satz 1) (Rn. 15-17)

    • 3. Individuelle Anforderung an die Gegebenheiten der einzelnen Praxis (Satz 2) (Rn. 18, 19)

    • 4. Dokumentation des Qualitätssicherungssystems und Kenntnis der Mitarbeiter (Satz 3) (Rn. 20-23)

  • III. Anforderungen an das Qualitätssicherungssystem zur Abwicklung gesetzlicher Abschlussprüfungen nach § 316 HGB (Abs. 2) (Rn. 24-57)

    • 1. Allgemeines (Rn. 24-26)

    • 2. Qualitätssicherungspflichten (Abs. 2 Satz 2) (Rn. 27-57)

      • a) Interne Qualitätssicherungsmechanismen, Verfahren zur Risikobewertung sowie Kontroll- und Sicherheitsvorkehrungen für Datenverarbeitungssysteme (Nr. 1) (Rn. 28-35)

      • b) Erforderliches Personal und angemessene Ressourcen (Nr. 2) (Rn. 36, 37)

      • c) Eigenverantwortlichkeit und Unabhängigkeit des verantwortlichen WP (Nr. 3) (Rn. 38, 39)

      • d) Fachliche Eignung der an der AP mitwirkenden Mitarbeiter (Nr. 4) (Rn. 40, 41)

      • e) Prüfungsakten nach § 51b Abs. 5 (Nr. 5) (Rn. 42-44)

      • f), g) Umgang mit Beschwerden und Vorwürfen sowie Whistleblowing (Nr. 6, 7) (Rn. 45-50)

      • h) Vergütung und Gewinnbeteiligung nach § 55 (Nr. 8) (Rn. 51-53)

      • i) Auslagerung wichtiger Prüfungstätigkeiten (Nr. 9) (Rn. 54-57)

  • IV. Interne Nachschau (Abs. 3) (Rn. 58-71)

  • V. Verantwortung für das Qualitätssicherungssystem bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften (Abs. 4) (Rn. 72-74)

Zitiervorschläge:
Ziegler/Gelhausen/Clauß WPO § 55b Rn. 1-74
Ziegler/Gelhausen/Clauß, 3. Aufl. 2018, WPO § 55b Rn. 1-74